Asterix Review Special (62): Asterix in Amerika (Film)

Das heutige Asterix Review Special befasst sich mit dem siebten Animationsfilm, der leider allgemeinhin als einer der schwächsten angesehen wird. Die Reise führt diesmal nach Amerika zu den Indianern. Der Film kam am 29. September 1994 in die deutschen Kinos und wurde damals von gerade einmal 1,6 Millionen Kinobesuchern gesehen. Etwa zwei Jahre später erfolgte am 03. Oktober 1996 eine Wiederaufführung und am 21. August 2003 kam der Film unter dem Titel „Asterix in America – Die checken aus, die Indianer“ (man beachte auch, das Amerika hier mit „c“ geschrieben wird) in einer „Schwörerdeutschen“ Fassung mit Erkan und Stefan erneut in die Kinos.

Titelbildschirm, Extras und Sprachfassungen

Auf Basis des 22. Asterix-Bandes „Die große Überfahrt“ entstand von 1991 bis 1994 unter der Regie von Gerhardt Hahn dieser Film erstmals in Deutschland, nachdem alle bisherigen Filme in Frankreich produziert wurden. Trotzdem der Film in Deutschland entstand, wurde er komplett in englischer Sprache produziert und erst im Nachhinein in Deutsch synchronisiert. Eine weitere Merkwürdigkeit des Films ist die FSK-Einstufung. Während der Film im Kino mit FSK 6 startete, erhielt er später bei der VHS- und DVD-Veröffentlichung plötzlich eine FSK-Einstufung 0 (ohne Altersbeschränkung), während bei den späteren Neuveröffentlichungen auf DVD und Blu-ray, sowie in den Sammelboxen wieder eine FSK 6 auf den Discs und Hüllen zu finden ist. Weshalb dieses Durcheinander in der FSK existiert, konnte ich aber leider nicht mehr ausfindig machen. Festzustellen ist lediglich, dass beide Angaben korrekt sind.

CGI-Elemente gemischt mit klassischer 2D-Cel-Animation

Der Film selbst entstand mit einem Budget von 19 Millionen DM in klassischer 2D-Cel-Animation im Ost-Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, verteilt auf vier Etagen einer früheren Elektrofirma, wo derzeit die Hahn-Filmstudios ihren Sitz hatten. Über 200 Zeichner und Koloristen aus aller Welt (USA, Kanada, Frankreich, England, Spanien, Irland, Dänemark, Ungarn, Polen, Türkei) arbeiteten drei volle Jahre um die 1.200 Szenen des Films umzusetzen. Hierfür benötigten sie über 800.000 Blatt Papier, verbrauchten 13.000 Stifte, 600 Radierer, 1.200 Liter Cel-Farbe, 200 Liter Wasserfarbe und 200.000 Spezialfolien. Für die aufwendigeren komplexeren Szenen wurde eine der letzten neu hergestellten Multiplan-Kameras verwendet, die Animationen auf mehreren Ebenen ermöglichten.
Zusätzlich wurden für die spektakulären Sturmszenen die Atlantik-Spezialcomputer der Berliner Firma Mental Images (ein Berliner Tochterunternehmen von Hewlett Packard) eingesetzt, um die klassischen 2D-Figuren und Gegenstände nahtlos in die in 3D generierten Umgebungen einsetzen zu können. Diese Techniken wurden hier erstmals in größerem Umfang in einem Film eingesetzt.

Asterix in Amerika (1994)

Originaltitel: Asterix in America
Produktionsland: Deutschland, Frankreich
Originalsprache: Englisch
Länge: 85 Minuten (Kino/Blu-ray), 82 Minuten (DVD/TV), jeweils mit Abspann
Regie: Gerhard Hahn
Produzent: Gerhard Hahn, Jürgen Wohlrabe, Christa Kistner
Produktionsfirma: Extrafilm Produktion GmbH, Berlin
Herstellung: Hahn Filmproduktion, Berlin
Drehbuch: Thomas Platt, Rhett Rooster (nach einer Idee von René Goscinny und Pierre Tchernia)
Kamera: Barry Newton, Thorsten Falke
Animationsleitung: Bill Speers
Hintergrundgestaltung: Michel Guerin
Schnitt: Ulrich Steinvorth, Ringo Waldenburger
Produktionsleitung: Jürgen Polaszek
Herstellungsleitung: Christa Kistner
Musik: Harold Faltermeyer
Orchester: Andi Slavik
Postproduktion Sound: The Sound Company Harry Schnitzler und Max Hoskins
Mischung: Studio Babelsberg GmbH/Manfred Arbter
Deutsche Fassung: Neue Tonfilm München/Pierre Peters-Arnolds
Songs: Aswad: „We are one people“, Bonnie Taylor: „Say Goodbye“, Wild Kit: „Always“, Right Said Fred: „Dance, Dance, Dance (Under the moon)“
FSK: Ohne Altersbeschränkung/6 Jahre

Links: Originalkinoplakat Rechts: Schwörerdeutsche Fassung

Synchronsprecher Deutsche Fassung:

  • Erzähler: Harald Juhnke
  • Asterix: Peer Augustinski
  • Obelix: Ottfried Fischer
  • Troubadix: Jochen Busse
  • Miraculix: Ralf Wolter
  • Majestix: Jürgen Scheller
  • Zenturio: Andreas Mannkopf
  • Cäsar: Thomas Reiner
  • Lucullus: Michael Habeck
  • Hatschi: Kristiane Backer
  • Medizinmann: Tommi Piper

Synchronsprecher Schwörerdeutsche Fassung:

  • Erzähler: Edi van Beek
  • Asterix: John Friedmann aka Erkan
  • Obelix: Florian Simbeck aka Stefan
  • Scheißremix (=Troubadix): Frank Schaff
  • Magicdrinkmix (=Miraculix): Osman Ragheb
  • Zenturio: Hartmut Neugebauer
  • Cäsar: Joachim Höppner
  • Lucullus: Michael Habeck

Taktische Formationsübungen bei den Römern

Die Römer haben Miraculix entführt, damit dieser keinen weiteren Zaubertrank mehr herstellen kann, und Cäsar so nun endlich auch das letzte Zipfelchen Galliens einnehmen kann. Damit Asterix und Obelix ihren Druiden aber nicht einfach wieder retten können, beschließt Cäsar ihn vom Rand der Erde werfen zu lassen. Trotz aller Warnungen machen sich die beiden heldenhaften Gallier auf, um ihren Druiden zu retten und landen dabei bei den Indianern in Amerika …

Obelix jagt Gubbl-Gubbl, während das Dorf von Cäsars Legionären umzingelt wird und Asterix und Miraculix von den Indianern gefangen wurden.

Zwar basiert der Film auf dem 22. Band „Die große Überfahrt“, aber für den Film gab es ein paar Änderungen, die die lange Reise logischer erklären, als nur der reine Grund, dass Miraculix frische Fische braucht. Doch leider kommt dies dem Film nicht wirklich zugute. Alles wirkt künstlich witzig und viel zu gezwungen. Die italienischen Dialekte sind aufgesetzt und selbst, wenn man den Film gezielt auf ein jüngeres Publikum ausrichtet, bleiben die meisten Dialoge platt und humorlos. Zwar sind erneut bekannte und sehr talentierte Sprecher an Bord, um Asterix und Obelix Leben einzuhauchen, doch auch diese können das teils sehr verkorkste Dialogbuch nicht retten. Ein wenig besser, wenn auch leider nicht sehr viel, ist da schon der Soundtrack, für den die 80er Jahre-Ikone Harold Faltermeyer verantwortlich zeichnet. Die Musiken sind unauffällig und zum Glück auch nicht wirklich störend, lassen aber nur selten das passende Feeling aufkommen. Einzig Aswads „We are one People“ und Bonnie Tylers „Say Goodbye“ schaffen es länger im Ohr zu bleiben.

Altbekanntes neu aufgewärmt: Obelix und Falballa (Links Außen), die Römer kriegen Haue (Mitte links), Obelix als Außenbordmotor (Mitte rechts), Die Piraten werden versenkt (Rechts außen)

Optisch hingegen kann sich der Film durchaus sehen lassen. Die Animationen sind qualitativ auf einem sehr hohen Niveau, die Zeichnungen treffen Uderzos manchmal leicht skizzenhaften Stil ebenfalls sehr gut und auch die Einbindung der dreidimensionalen CGI-Elemente funktioniert mühelos. Gerade die Szenen auf dem Meer sehen auch heute noch sehr gut aus, wenngleich man trotz der hervorragenden Arbeit erkennt, dass es sich um Computeranimationen handelt, was einfach der jeweiligen Technik geschuldet ist. Man sieht einfach, ob ich eine Animation mit 24 Bildern in der Sekunde von Hand anfertige, oder einem Computer die Berechnung überlasse, der auch mehr als 24 Bilder in der Sekunde erstellt, wodurch alles wesentlich weicher und flüssiger aussieht.

Wunderschöne Landschaften. Das neu entdeckte Amerika. (noch ohne Trump)

Bevor ich aber nun zu einem abschließenden Fazit komme, möchte ich noch kurz auf die bereits erwähnte „Schwörerdeutsche“ Fassung eingehen. Ja, um die Jahrtausendwende wahren die beiden „Komiker“ Erkan & Stefan wahre Publikumslieblinge, die mit ihrem Misch-Masch aus Deutsch und Türkisch einen Trend, der von der Straße kam, salonfähig machten. Das man aber ausgerechnet diese beiden auf einen Asterix-Film loslassen musste erschließt sich mir nicht wirklich. Sicher sind die Mundart-Bände ein Erfolg und auch die vorangegangenen Dialektversionen der Filme konnten einiges an Charme aufweisen, aber diese Version ist einfach nur fremdschämen par excellence. Da der Film an sich schon damit zu kämpfen hatte künstlich witzig zu sein, hat es diese Version noch einmal verschlimmert. Eigentlich hätte der Film eine grundlegend neue Synchronisation verdient, die den Film ernst nimmt und dennoch einen gewissen Humor mitbringt, als diese „Trend“-Version, die in meinen Augen damals schon nicht komisch war.

Seichte Gags: Der „Ich-schwebe-noch-ein-paar-Sekunden, bevor ich falle“-Gag (Links außen), „Obelix wirf doch schon mal das Netz aus“ (Mitte links), „Obelix, die Paddel ins Wasser und los“ (Mitte rechts), „War’n das schon alle?“ (Rechts außen)

Wofür Kolumbus ganze fünf Monate brauchte, schaffen Asterix und Obelix in weniger als einer Stunde. Sie entdecken Amerika und schließen auch gleich noch Freundschaft mit den Indianern. Nun zumindest in diesem Punkt waren sie erfolgreich. An der Kinokasse sah es nicht mehr ganz so gut aus und auch insgesamt muss sich der Film im Vergleich mit den anderen Animationsfilmen eher auf den hintersten Rängen einordnen, obwohl ich ihm durchaus ein gewisses Potenzial zusprechen möchte, welches aber einfach nicht genutzt und dann auch noch niedergetrampelt wurde.
Als eingefleischter Asterix-Fan schaut man sich ihn zwar dennoch an, bleibt aber schlussendlich trotzdem mit einer gewissen Enttäuschung zurück.

Feiern mit den Indianern

Copyright aller verwendeten Bilder © 1994-2018 Les Éditions Albert René / Extrafilm Produktion Gmbh / Hahn Filmproduktion / Constantin Film / Studio Canal

Die bisherigen Review-Specials:

  1. Asterix der Gallier
  2. Die goldene Sichel
  3. Asterix und die Goten
  4. Asterix als Gladiator
  5. Tour de France
  6. Asterix und Kleopatra
  7. Der Kampf der Häuptlinge
  8. Asterix bei den Briten
  9. Asterix und die Normannen
  10. Asterix als Legionär
  11. Asterix und der Avernerschild
  12. Asterix bei den Olympischen Spielen
  13. Asterix und der Kupferkessel
  14. Asterix in Spanien
  15. Streit um Asterix
  16. Asterix bei den Schweizern
  17. Die Trabantenstadt
  18. Die Lorbeeren des Cäsar
  19. Der Seher
  20. Asterix auf Korsika
  21. Das Geschenk Cäsars
  22. Die grosse Überfahrt
  23. Obelix GmbH & Co. KG
  24. Asterix bei den Belgiern
  25. Der grosse Graben
  26. Die Odyssee
  27. Der Sohn des Asterix
  28. Asterix im Morgenland
  29. Asterix und Maestria
  30. Obelix auf Kreuzfahrt
  31. Asterix und Latraviata
  32. Asterix plaudert aus der Schule
  33. Gallien in Gefahr
  34. Asterix & Obelix feiern Geburtstag
  35. Asterix & Friends (Browsergame)
  36. Asterix der Gallier (Film)
  37. Asterix (Gameboy/NES)
  38. Asterix in Novaesium
  39. Asterix und Kleopatra (Film)
  40. Asterix (SNES)
  41. Gallische Geschichten mit Asterix und Obelix
  42. Asterix & Obelix (Gameboy)
  43. Asterix erobert Rom (Film)
  44. Asterix erobert Rom – Das Buch zum Film (Album, Neuauflage)
  45. 12 Prüfungen für Asterix
  46. Asterix and The Great Rescue (Sega Mega Drive)
  47. Asterix – Sieg über Cäsar (Film)
  48. Uderzo von seinen Freunden gezeichnet
  49. Asterix – The Great Rescue (Game Gear/Master System)
  50. Uderzo – Der weite Weg zu Asterix
  51. Asterix & Obelix (SNES)
  52. Asterix bei den Briten (Film)
  53. Asterix – Streit um Gallien (Playstation)
  54. Asterix bei den Pikten
  55. Asterix – Die Trabantenstadt (3DS)
  56. Asterix in Italien
  57. Die Trabantenstadt (Limitierte Sonderausgabe)
  58. Asterix – Operation Hinkelstein (Film)
  59. Asterix bei den Belgiern (Limitierte Sonderausgabe)
  60. Asterix Review Special (60): Asterix and the Secret Mission (Game Gear)
  61. Der Papyrus des Cäsar

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