Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung Nr. XXXIX: Avengers – Die Korvac-Saga [Hachette, Juni 2016]

Nach einer etwas längeren Pause gibt es mal wieder einen Klassiker aus der Offiziellen Marvel Comic Sammlung und der heutige Klassiker ist auch gleich noch eine deutsche Erstveröffentlichung. Denn weder Panini noch einer der früheren Verlage, wo genaugenommen auch nur Condor infrage kommt, hat diese Storyline bisher veröffentlicht. Viele haben sich diese „Korvac-Saga“ schon seit mehreren Jahren von Panini gewünscht und durch Hachette wurde sie nun in diesem band auf über 200 Seiten inklusive des einleitenden Thor Annuals, das die Grundlage für die Storyline bietet …

Avengers – Die Korvac-Saga

Michael Korvac war eigentlich nur ein Techniker, der, nachdem die Badoon einfielen, als Kollaborateur die Seiten wechselte. Doch auch bei den Badoon war seine Arbeit nicht von Erfolg gekrönt, weshalb er als Strafe modifiziert und verändert wurde. Die Badoon verbanden sein Nervensystem mit einem Systemmodul und machten aus ihm einen lebenden Computer. Aber all das, war noch nicht das Ende seiner Entwicklung. Denn kaum, dass er gegen Thor bestanden hat, wurde aus ihm ein gottgleiches Wesen, welches sich auf der Erde niedergelassen hat und hier auf die Avengers trifft, die in ihm eine gefährliche Bedrohung sehen …

Ich habe es bereits in der Einleitung erwähnt, dass diese Geschichte von vielen deutschen Fans sehnlichst erwartet wurde, weil sie als eine der großen, besonderen Storylines gilt. Mit Jim Shooter, Len Wein, Roger Stern, George Pérez, David Michelinie und Bill Mantlo sind auch eine ansehnliche Riege an Top-Autoren der späten siebziger und frühen Neunziger Jahre vertreten. Sie alle ersannen eine spannende Geschichte, die meiner Meinung nach allerdings nicht ganz ihren Vorschusslorbeeren gerecht wird. Sicher hat diese Geschichte ihre Höhepunkte und liefert stellenweise sehr gut durchdachte Plotelemente und gerade zum Ende hin auch sehr gut ausgearbeitete Figuren und Charakterentwicklungen, kämpf aber zwischendurch mit einigen Längen. Auch gibt es Momente, in denen der Lesefluss durch unnötige Sequenzen stark ausgebremst wird. Ist Korvac zu Beginn noch ein simpler Schurke nach einem 08/15-Strickmuster entwickelt sich später ein „Mensch“, der nicht mehr nur der Bösewicht ist. Man leidet mit ihm mit und versteht sogar seine Handlungen, auch wenn man sie nicht zu einhundert Prozent gutheißen kann und möchte.

Selbst die Zeichnerriege wartet mit namhaften Künstlern, wie George Pérez (der leider nur einen kleinen Teil selbst zeichnete und sonst für die Designs und Grundentwürfe verantwortlich war) und Sal Buscema oder Klaus Janson. Gerade aber der Schluss, der inhaltlich sehr gut, spannend und mitfühlend inszeniert wurde, zeigt deutliche zeichnerische Schwächen, was an dem im Grunde zwar soliden, aber oftmals leblos wirkenden Artwork von David Wenzel liegt. Es fehlt die Dynamik und die Emotionen, wobei das so nicht ganz stimmt. Denn Wut und Überraschung kann Wenzel durchaus darstellen. Nur mit allen anderen Gefühlen, die man mimisch und gestisch darstellen kann, schien Wenzel auf Kriegsfuß zu stehen. Und so hatte zumindest ich Probleme, am Ende, auf rein visueller Ebene, mit den Opfern zu trauern, was im direkten Widerspruch zu dem stand, was mir der Text vermittelt hat. Über George Pérez zu schreiben, ist wie über Poesie zu sinnieren. Entweder es berührt einen, oder eben nicht. Seine detailreichen, mit vielen Figuren vollgepackten dun dennoch niemals überladen wirkenden Bilder sind fast schon mit einer optischen Symphonie zu vergleichen. Und auch sein Kollege Sal Buscema, der zu den großen Künstlern meiner Comic-Anfangszeit, Anfang/Mitte der Neunziger Jahre, gehört, hat mit seinem ungewöhnlichen, kantigen und dennoch gefühlvollen Stil, der hier allerdings noch im Entstehen war, zeigt, weshalb er heute in der Ruhmeshalle der amerikanischen Comickünstler einen wohlverdienten Platz innehat.

Tja, und nun wisst ihr zwar, dass mich der Band bei Weitem nicht so sehr überzeugt, wie ich es zu Beginn eigentlich erwartet hatte, aber immer noch eine sehr gelungene Geschichte beinhaltet, die gerade zum Ende hin überzeugen kann. Gepaart mit der soliden Verarbeitung, als Hardcover, und dem im Vergleich dazu doch recht geringen Preis für den Umfang von über 230 Seiten, auch im Sinne dessen, dass es eine deutsche Erstveröffentlichung ist, kann mich der Band überzeugen. Wenn ich ganz ehrlich bin, war ich zu Beginn, als ich den Band erwarb, noch recht unsicher, weil mich auf dem Cover eine neue, computerkolorierte Titelbildgrafik fast abgehalten hätte. Denn ich bin kein Freund von diesen oftmals wirklich bösen Farbvergewaltigungen der klassischen Geschichten. Auch wenn die Koloration damals, noch lange nicht so umfangreich und vielfältig war, wie sie heute ist, muss ich, meiner Meinung nach, gewisse Klassiker mit solchen Aktionen „aufhübschen“ nur in dem Glauben sie dadurch der neuen Leserschaft besser zugänglich machen zu können. Klassikern darf man ihr alter ruhig ansehen. Aber das ist nur meine Meinung.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1977-2017 Marvel & Subs. / Panini Comics / Hachette Collections SNC

INFO:

Titel: Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung Nr. XXXIX: Avengers – Die Korvac-Saga
Verlag: Hachette Collections SNC
Inhalt: US-Thor Annual (1966) 6 & The Avengers (1963) 167-168, 170-177
Umfang: 232 Seiten
Format: Hardcover
Autor: Jim Shooter, Len Wein, Roger Stern, George Pérez, David Michelinie, Bill Mantlo
Zeichner: George Pérez, Sal Buscema, David Wenzel

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