Ich und die Comics. Die Hochs und Tiefs meines Lebens und wie es mich veränderte.

Mit der Frage, wie man als aktueller Comicleser zu den Comics kam, starteten Dagmar (GeschichtenAgentin) und Sandra (Booknapping) eine Blogparade, in der alle, die gerne möchten, ihren Einstieg in die Comicwelt und dessen Werdegang bis heute erläutern dürfen. Nun hat mich die Sandra auch dazu eingeladen und ich folge dieser Einladung natürlich gerne.

Doch die Frage nach meinem ersten Comic lässt sich nicht so wirklich leicht beantworten, weshalb ich das ein wenig aufsplitten muss. Mein erstes eigenes Comicheft, war Mosaik Nr. 3 aus dem Jahr 1984. Ja, ich bin ein waschechter Ossi und ja, so richtig viele Comics gab es in der DDR nicht. Zumindest, wenn man von einem richtigen Comicheft ausgeht. Ja, es gab diverse Comicstrips und Ähnliches in Kinder- und Jugendzeitschriften (Atze, Frösi, usw.), aber das einzige richtige Comicheft war das Mosaik. Zu Beginn mit den Digedags und ab Januar 1976 mit den Abrafaxen, mit denen ich dann auch meine Comickarriere begonnen habe.

Aber das war nicht das erste Comic das Ich gelesen, bzw. angesehen habe!
Denn schon vor diesem Heft hatte ich Comics in der Hand, und zwar in Form von verschiedenen Lustigen Taschenbüchern, die aber meinem Vater gehörten. Und ja, ich habe auch das gemacht, was damals vermutlich 99% der Kinder getan haben. Ich habe die LTBs, die damals, so manch einer wird sich vielleicht noch erinnern, nur zur Hälfte farbig waren. Jede zweite Doppelseite war Schwarz/Weiß, und natürlich hat das ein Kind zum Ausmalen animiert. Nur weiß ich leider nicht mehr, welche Taschenbücher das waren, noch waren es meine eigenen. Dennoch hat es in einem gewissen Maß den Grundstein gelegt, der mit dem bereits erwähnten Mosaik weiter gefestigt wurde. Bis zur Wende lag dann mein Hauptaugenmerk darauf, diese Serie weitestgehend zu vervollständigen, was damals wirklich nicht einfach war. Flohmärkte gab es nicht viele und im Freundeskreis sammelten die meisten die Serie selbst. Es ging also nur schleppend voran. Aufgelockert wurde dies nur durch gelegentliche Zusendungen von meiner Großtante aus Westberlin, in Form von Micky Maus-Ausgaben, Looney Tunes, usw.

Und dann kam die Wende!
Plötzlich stand mir eine Welt von Comics offen, die es langsam zu entdecken galt. Natürlich war das Erste was meine Sammlung bereicherte die Micky Maus, gefolgt von den Lustigen Taschenbüchern. Dann, es war im Jahr 1992, entdeckte ich in einem Lotto & Tabakgeschäft, in dem ich mit meiner Mutter war, weil sie dort Lotto spielte, mein erstes Superheldencomic. Es war das „Captain America“-Taschenbuch Nr. 12 vom Condor Verlag. Nach und nach entdeckte ich immer mehr Marvel Comics und begann meinen Fokus auf Spider-Man zu richten. Spider-Man ist auch die einzige Konstante, die mich seit 1992 in Sachen Comics begleitete. Und so weiteten sich meine Interessen über den Condor Verlag, wo ich nach und nach versuchte auch ältere Hefte nachzukaufen, aus, was dank immer mehr aufkommender Antiquariate in den 90ern weitaus einfacher war, als noch zu DDR-Zeiten. Meine Sammlung wuchs langsam an, und wie meine Sammlung wuchs, so wuchs auch die Ablehnung meiner Klassenkameraden mir gegenüber. Comics lesen war Kinderkram, es war uncool, sich für bunte Bilderheftchen zu begeistern. Ich wurde gemobbt und ausgelacht und mein Leben glich einem Alptraum, der nur in der mehr oder weniger heilen Welt der Marvel-Superhelden noch glücklich schien. Ja, die Comics waren damals meine Möglichkeit aus meiner traurigen Wirklichkeit zu fliehen. Ich war der typische Comicnerd, mit einer kaputten realen Welt, der sich in die Fantasiewelten der Superhelden flüchtete und insgeheim hoffte selbst einmal Superkräfte zu haben. Doch dieser Mensch bin ich nicht mehr.

Neben dem Condor Verlag etablierte sich in den 90er Jahren auch der Dino Verlag in Sachen Superhelden und weckte so mein Interesse. Zuerst für DC (in Maßen) und dann für die Simpsons, denen ich bis heute (mit einer kleinen Pause, aber dazu später mehr) treu geblieben bin. Meine „Begeisterung“ bei Spider-Man ging sogar so weit, dass ich mir von meinen Eltern das „Die Spinne“-Super Abo zu Weihnachten gewünscht habe. Dies beinhaltete neben dem monatlichen „Die Spinne“-Magazin auch noch das viertjährliche „Die Spinne“-Taschenbuch und das dreimal jährlich erscheinende „Die Spinne“-Album. Bis Ende 1996 veröffentlichte Condor die Marvel Comics in Deutschland, und als das letzte „Die Spinne“-Magazin im Dezember des Jahres 1996 in meinem Briefkasten lag, zusammen mit einem Brief des Verlages, fühlte ich mich ein bisschen traurig. Da half es auch nur bedingt, dass der Dino Verlag mit seiner DC gegen Marvel Crossover-Reihe eine durchaus gelungene Heftserie am Markt hatten, die die nun entstandene Lücke aber nur unbedeutend  füllen konnte. Und so ganz nebenbei hatte die damals gestartete Justice League of America“-Serie von Grant Morrison mein Interesse geweckt, die ich fortan las und sammelte.

Doch keine zwei Monate nach dem Ende bei Condor startete Panini mit zwei neuen Heftserien. „Spider-Man – Die Spinne“ und „X-Men“. Beide Serien kaufte ich fortan monatlich und so wie Panini sein Programm nach und nach erweiterte, landeten diese auch bei mir. Anfang der 2000er Jahre habe ich das gesamte Panini-Verlagsprogramm gesammelt und gelesen und teilweise mehr als 200 Euro monatlich dafür ausgegeben. Neben Panini, Infinity (mit Spawn) und Dino hatte ich zwischenzeitlich aber auch die Manga für mich entdeckt. Anfang 2002 gab es ein paar Änderungen. Die Wichtigste war wohl, dass ich meine damalige Partnerin kennenlernte und ich begann, meinen Comickonsum massiv einzuschränken. Ich stoppte so gut wie alle Serien, bis auf die, in denen Spider-Man auftrat und den Manga „Detektiv Conan“. Diese Teilabstinenz endete nach ca. fünf Jahren und mit der 120. Ausgabe der Simpsons Comics. Bei den Simpsons und Spawn begann ich dann die Lücke zu stopfen und außerdem sortierte ich nun stärker. Dank Internet, Comicforen und anderen Kontaktmöglichkeiten, die einem dieses neue Medium nun bot, begann ich meine Fühler auch nach anderen Dingen auszustrecken. Selbst im frankobelgischen Sektor breitete ich mich etwas mehr aus. Meine wenigen Asterix-Alben wichen einer jetzt kompletten Sammlung und hinzu kamen Arbeiten von kleineren Verlagen, Meisterwerke wie „Maus“ oder „Barfuss durch Horshima“ und auch im Superheldensektor sondierte ich die Klassiker.

So machte ich nach und nach weiter. Engagierte mich bei ComicHunters, einer Internetseite, auf der man seine Comicsammlung kostenlos und online verwalten kann und bei der ich derzeit Admin bin, und ich erstellte meinen, diesen Comicblog, der jetzt seit 2011 online ist. Während dieser Zeit begann ich, zu meinem Hobby zu stehen. Es offen auszuleben und zu zeigen. Ja, ich bin ein Comicleser und ja, ich bin stolz auf das, was ich inzwischen alles erreicht habe. Mit Freunden zusammen habe ich inzwischen ein erstes Buch veröffentlicht, wenn auch nur in geringer Auflage, welches sich mit der Spider-Man-Saga schlechthin befasst, der Klonsaga. Derzeit laufen die Arbeiten an Band zwei und auch ein Dritter ist in Planung. Aktuell umfasst meine Sammlung über 5300 Comics und sie wächst weiter an. Doch es gab zwischenzeitlich wieder einen Grund, mein Comicverhalten zu ändern. Erneut schränkte ich mich etwas ein, beendete Abos und begann mich neu zu sortieren. Diesmal war der Grund die unschöne Trennung von meiner Partnerin, die mich über Jahre hinweg betrogen hat, wie in einer schlechten Daily Soap, wegen der ich bereits einmal die Comics fast beendete und die mir erneut meine Comicfaszination als Grund für Ihr Verhalten vorwarf. Ich wäre ja doch nur ein großes Kind und meine Leidenschaft wäre zu kostenintensiv. Erneut wurde mir mein Hobby vor Augen geführt und als Grund genannt, um mich zu demütigen. Diesmal lies ich mich davon aber nicht entmutigen und verletzten. Und auch, wenn es eine schlimme Erfahrung für mich war, war die Veränderung diesmal, zumindest in Sachen Comics, nicht ganz so gravierend. Ein paar Serien mussten von meiner Aboliste verschwinden, weil ich das Geld als jetzt alleinerziehender Vater an anderen Stellen dringender brauchte.

Inzwischen hat sich mein Leben nach diesen Ereignissen normalisiert, mein Budget ist ausgeglichen, meinen Kindern und mir geht es gut, und auch wenn ich noch immer Single bin, bleiben die Comics weiterhin ein wichtiger Teil meines Lebens. Heute stehe ich zu meinem Leben, meinen Hobbys und Menschen, die in mein Leben treten, müssen mich, und alles was dazu gehört (Comics und Kinder) einfach akzeptieren. Ich werde nicht noch einmal mein Leben verändern, weil andere Menschen nicht mit mir und allem was dazu gehört klarkommen.

Advertisements

2 Kommentare zu “Ich und die Comics. Die Hochs und Tiefs meines Lebens und wie es mich veränderte.


  1. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsLieber Thomas,
    mit deinen Worten und deiner Geschichte hast du mich wirklich sehr gerührt. Vielen Dank für diesen so persönlichen und ehrlichen Beitrag. Ich kann nur sagen, wow, und ganz lieben Dank, dass du uns an deinem Werdegang als Comicleser auf diese besondere Weise teilnehmen lässt. Zu lesen, wie gestärkt du aus allem hervorgegangen bist und dein Hobby nicht aufgegeben hast, freut mich sehr. Heutzutage ist es gefühlt, zumindest als junger Mensch, regelrecht cool ein Nerd zu sein. Comics zu mögen und Geekshirts zu tragen. Diejenigen aber, die es immer schon getan haben, wurden oft belächelt. Und auch heute wird man schon mal schief angeguckt, wenn man als erwachsener Mensch Comics liest, liebt und vor allem auch sammelt. Auf einem Flohmarkt wurde ich von einem Sammler mal gefragt, ob ich die Comics für meine männliche Begleitung raussuche oder für mich selbst … Er war sehr überrascht. Dabei kenne ich so viele Frauen, die Comics lesen und auch Spaß daran haben, dazu zu stehen.
    Hinsichtlich der Auswahl der Comics haben wir zumindest in der Dino-Zeit ja einige Überschneidungen. Ich habe vor Kurzem erst alles rausgewühlt, weil neu eingetütet und geboardet. Aber demnächst wird von diesen „alten“ Schätzchen auch einiges aussortiert.
    Im Übrigen: Ich habe die schwarzweißen Seiten in den LTBs nie ausgemalt! 😀 Ja, ich war ein komisches Kind, ich weiß.
    Ganz liebe Grüße,
    Sandra 🙂


  2. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsDanke für Deinen Beitrag zur Blogparade! Mich haben daran zwei Punkte besonders fasziniert. Ich selbst bin ja „nur“ Comic-Leserin, aber keine Sammlerin. Deswegen sind für mich die Einblicke in das Leben eines echten Sammlers besonders interessant.
    Der zweite Punkt ist natürlich das Thema Lesen als Realitätsflucht. Für mich selbst hat jedes Lesen, egal ob Comics, Romane oder Sachbücher, immer mit dem Wunsch zu tun, Alltag und Realität für eine begrenzte Zeit hinter mir zu lassen. Wenn die Lektüre gut war, kehre ich dann gestärkt und inspiriert in den Alltag zurück. Gerade den Comics wohnt da eine ganz eigene Kraft inne.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s