Die gesammelten Chroniken von Wormwood [Panini, März 2017]

Dank der freundlichen Unterstützung von Panini präsentiere ich euch heute ein weiteres Review zu einem Titel von Autor Garth Ennis und Zeichner Jacen Burrows, die bereits den ersten Band zur inzwischen doch recht erfolgreichen Reihe Crossed umgesetzt haben. Auf welchem Level befindet sich aber nun Wormwood. Ist es ähnlich wie Crossed, ist es besser, oder sogar schlechter? Zum Schluss noch der Hinweis, dass dieser Band eine Empfehlung ab 18 Jahren hat.

Die gesammelten Chroniken von Wormwood

Autor: Garth Ennis
Zeichner: Jacen Burrows, Rob Steen, John McCrea, Russ Braun, Oscar Jiminez
Format: Hardcover
Umfang: 372 Seiten
Inhalt: Chronicles of Wormwood 1-6, The Last Enemy, The Last Battle 1-6
Verlag: Panini Comics
Preis: 29,99 Euro (HC), 39,00 Euro (lim. HC)

Danny Wormwood ist der Antichrist. Und er ist Fernsehproduzent. Mit seinen Serien hat er große Erfolge gefeiert, seine Freundin ist eine angesehene Ärztin und die beiden sind ein tolles Paar. Er hat einen Hasen, dem er aus Freude und Langeweile einfach mal das Sprechen beigebracht hat. Ja, er kann das. Denn einmal am tag kann Danny ein kleines Wunder vollbringen und es für seine Zwecke einsetzen, was seine Freundin übrigens alles nicht weiß. Achja, und er ist nicht einfach nur der Antichrist, nein, er hat auch noch einen guten Freund. Einen Freund, der niemand anderes als Jesus Christus ist. Doch Dannys Vater, der Teufel, ist mit seinem Sohn überhaupt nicht zufrieden. Eigentlich soll er ja zusammen mit Jay (wie sich Jesus aktuell nennt, nachdem er wiederauferstanden ist und von ein paar Polizisten während einer Demo fast ins Koma geprügelt wurde und nun eher auf dem geistigen Niveau eines Kleinkindes dahinvegetiert) Armageddon auslösen und somit den Untergang der Menschheit besiegeln. Doch Danny und Ja yhaben eine Abmachung getroffen, dies eben nicht zu tun. Sich stattdessen den Wünschen ihrer Väter zu wiedersetzen, was in Jays Fall überhaupt nicht auffällt, da sein Vater, der allmächtige Gott, ein geisteskranker, debiler, impotenter, Flachwichser ist, der lieber an sich und mit seinen Fäkalien herumspielt. Und dennoch hat Danny haufenweise Probleme, die damit beginnen, dass seine Freundin erfährt, dass er sie betrügt und dies auch noch ausgerechnet mit Jeanne D’Arc. Ganz abgesehen von Papst Jacko, der aktuell dieses „ehrwürdige Amt“ bekleidet und stattdessen lieber des öfteren unbekleidet alles durchfickt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Aber Danny wäre nicht der Antichrist, wenn er nicht doch für alles eine Lösung hätte.
Hat er doch hoffentlich?
Oder etwa nicht?

Garth Ennis ist fast schon ein Garant für gute Verkäufe. Egal, was der Ire anpackt, es scheint ein Erfolg zu werden. Aber wieso schreibe ich „scheint“. Nunja, weil zum einen die Verkäufe alleine keine Qualität rechtfertigen und zum anderen, weil Geschmäcker verschieden sind. Während viele Ennis wie einem Gott huldigen, gibt es auch Menschen, die das weitaus kritischer sehen. Ich bin einer von denen, die Ennis zwar für einen durchaus guten Autoren halten, aber auch wissen, dass jeder Autor auch mal schlechtere Arbeiten abliefert und nicht alles Gold ist, was glänzt, um es mal mit einem alten Sprichwort zu verdeutlichen. Reichen Sex, Gewalt und Zynismus aus, um eine gute Geschichte zu erzählen. Immerhin haben die Wormwood-Chroniken eine ganze Menge von allen drei Zutaten zu bieten.
Gehen wir die Sache doch einmal behutsam an. Auch Crossed bedient sich dieser Zutaten, wenngleich auch zu anderen Teilen, und das konnte mich nicht wirklich überzeugen. Während der erste Crossed-Band auf mich wie eine überzogene Version von The Walking Dead wirkte, kommt „Die gesammelten Chroniken von Wormwood“ mit einem etwas anderen Ansatz daher. Auch hier gibt es das Ende der Menschheit, welches aber nicht im Mittelpunkt der Erzählung steht. Auch gibt es reichlich Gewalt, nicht ganz so extrem wie bei Crossed und es gibt Sex, aber ebenfalls nicht so exzessiv, wie es bei besagter Serie der Fall ist. Wormwood ist vor allem eines: zynisch. Es ist bösartig und dennoch strahlt es eine gewisse Ehrlichkeit aus. Sicher werden gerade bibeltreue Christen entsetzt davon sein, wie Ennis hier mit ihren Vorbildern umgeht, aber dieses Spiel mit den Erwartungen ist es in meinen Augen auch, was gerade seinen Reiz ausübt. Natürlich geizt Ennis auch hier wieder nicht damit, alles etwas überzogener darzustellen, wies nun einmal auch sein Stil ist.

Mit Jacen Burrows steht Ennis auch hier der gleiche Partner zur Seite, wie es beim ersten Crossed-Band der Fall war. Doch Burrows ist lediglich an der Umsetzung der ersten 6 Kapitel umfassenden Miniserie beteiligt. Und ja, Burrows passt wirklich sehr gut zu Ennis und seinen manchmal etwas kranken Ideen, denn er weiß diese gekonnt umzusetzen. Mit vergleichsweise wenigen Strichen erschafft er die aberwitzigsten Situationen und setzt sie dennoch glaubhaft um, wodurch auch die Ideen von Ennis an Glaubwürdigkeit gewinnen. Selbst die kleinsten Mimiken sind in den Gesichtern seiner Figuren ablesbar, sei es Skepsis, Abscheu und Ekel, oder Überraschung. Vieles spielt sich bei Burrows oftmals nur in den Gesichtern der Figuren ab, selbst das einfältige Grinsen von Jay ist nicht immer das Gleiche, sondern weißt zarte Nuancen auf, die vielseitig interpretiert werden können.
Doch Burrows ist nicht der Einzige Zeichner, der an diesem Komplettband beteiligt ist. Da wäre außerdem noch Rob Steen, der den One-Shot „The Last Enemy“ umsetz, der als eine Art Epilog zur ersten Miniserie fungiert, und optisch ähnlich angelegt ist, wie die Zeichnungen von Burrows. Dennoch ist eine Eigenständigkeit ersichtlich, was in diesem Fall aber nicht unbedingt von Vorteil ist, da hier viele unfreiwillig komische Panels ins Auge stechen, und die Gesichter mitunter stark deformiert wirken. Danny, Jay und Maggie (Dannys Freundin) verlieren hierbei stark an Charakter, weil es schwer fällt, sie in diesem „Kapitel“ ernst zu nehmen. Zusätzlich gibt es zwei Zweiseiter, einen von John McCrea, der mit seinen Zeichnungen in Richtung Funny-Stil geht, was dennoch sehr gut passt, und Russ Braun, der wieder eher die realistische Schiene fährt, und dessen Bilder teilweise beängstigend echt wirken, obwohl sie einen starken Comiccharakter haben.
Die abschließende 6-teilige Miniserie wurde von Oscar Jiminez visualisiert, dessen sehr detailreicher Strich im direkten Gegensatz zu Jacen Burrows Stil steht. Auf den ersten, etwa 10 Seiten, wirkt das noch ein bisschen ungewohnt, da man sich erst einfinden muss. Doch das geschieht schnell und so ergänzen sich auch Jiminez und Ennis sehr gut, und verpassen den Wormwood-Chroniken einen würdigen Abschluss.

Wer Sex und Gewalt sucht, wird in diesem schön gestalteten Hardcoverband fündig werden. Wer krankhafte Ideen und Abscheulichkeiten sucht, ebenfalls. Und wenn es dann auch noch jemand wagt, nach etwas tiefer gehenden Gedanken zu bohren, sich den Fragen des Lebens und dem ewigen Kampf zwischen Himmel und Hölle, samt seinen Protagonisten, zu stellen wagt, wird genauso bedient, wie jene, denen nur an reiner Unterhaltung gelegen ist. Die Frage, die sich mir letztendlich gestellt hat, ist weniger die, ob es hier ein Happy End (oder überhaupt ein wirkliches Ende) gibt, als vielmehr die, ob das von Ennis hier dargestellte Szenario nicht vielleicht doch einen Funken Wahrheit enthält? Wer weiß schon, ob unsere altes Wissen und der Glauben auf dem so viele Religionen beruhen, nicht eine riesengroße Lüge ist, die nur auf Missverständnissen beruht? Kann eine solche Fantasie wahr sein, oder ist es eben nur das? Die kranke Fantasie eines irren Comicautors? Ich für meinen Teil bilde mir da einfach meine eigene Meinung dazu, oder habe sie schon vorher gehabt.
Und nun seid ihr an der Reihe.
Was glaubt ihr ist die Wahrheit, wenn es denn eine Wahrheit gibt?

Copyright aller verwendeten Bilder © 2007-2017 Avatar Press / Panini Comics

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