Moon Knight Nr. 1: Willkommen im neuen Ägypten [Panini Comics, Februar 2017]

Es gibt Helden, die schon immer eine Art Schattendasein fristen. Obwohl ihre Geschichten meist um Welten besser als der Mainstream sind, Top-Autoren und Zeichner sie immer wieder neu erfinden, den Status Quo auf teils innovative Weise verändern und dennoch bleibt ihnen der große Erfolg verwehrt. Einer dieser Helden ist Moon Knight. Viele Serien und Identitäten begleiteten Marc Spector auf seinem Weg, genauso wie eine Unmenge an sehr talentierten Autoren und Zeichnern. Die neueste Inkarnation stammt nun aus der Feder des kanadischen Multitalents Jeff Lemire und dem Zeichner Greg Smallwood. Wie sie dem Diener Konshus erneut auf die Beine helfen wollen, lest ihr nun hier in diesem Review …

Moon Knight Nr. 1: Willkommen im neuen Ägypten

Autor: Jeff Lemire
Zeichner: Greg Smallwood, James Stokoe, Francesco Francavilla, Wilfredo Torres
Format: Softcover
Umfang: 132 Seiten
Inhalt: Moon Knight (2016) 1-5
Verlag: Panini Comics
Preis: 16,99 Euro

Wie kam er überhaupt hierher? Und wo ist hier eigentlich? Wieso kann er sich an Nichts erinnern und weshalb will Konshu ihm nicht helfen? Marc Spector sieht sich mit mehr Fragen konfrontiert, als er beantworten könnte. Eigentlich ist er der Superheld Moon Knight. Mit seinen Freunden, dem ausgezeichneten Piloten und Nahkämpfer Jean-Paul „Frenchie“ DuChamp, dem Informanten und Säufer Bertrand Crawley, der Diner-Besitzerin Gena Landers und seiner großen Liebe Marlene Alraune, hat er schon so manches Abenteuer erlebt. Nun jedoch findet er sich in einer Nervenheilanstalt wieder und erfährt, dass er hier seitdem er zwölf ist, lebt. Dass alle seine Abenteuer nur Wahnvorstellungen waren. Dass seine vermeintlichen Freunde nur Mitinsassen sind. Nichts von allem, was er bisher glaubte erlebt zu haben ist wirklich passiert. Aber wieso spricht dann Konshu trotzdem mit ihm und versucht ihn aus dieser Anstalt zu befreien? Fragen über Fragen, auf die Marc nur dann Antworten bekommt, wenn er sich auf den Weg macht, um den eigentlichen Drahtzieher hinter diesen Ereignissen zu finden …

Wo ist hier?

Wo ist hier?

Mit dem hier vorliegenden Band sammelt Panini die ersten fünf Ausgaben der inzwischen achten Serie dieses außergewöhnlichen Helden, der viel zu oft, in meinen Augen auch unberechtigterweise, als Anthiheld bezeichnet wird. Sicher ist er kein Held im klassischen Sinne und auch sonst erinnert er sehr stark an Batman, vor allem, wenn man seine Identität als Millionär Steven Grant heranzieht, aber Moon Knight war schon immer mehr, als das. Wenn es nach meiner persönlichen Meinung ginge, wäre dieser Arc perfekt geeignet, um Moon Knight in das Marvel Movie Universe einzuführen. Er würde einen sehr guten Mystery-Psycho-Thriller abgeben. Aber genug der Fantastereien. Jeff Lemire, der bereits Erfolgsserien wie „Sweet Tooth“ kreierte und bei DCs Neustart der New 52 auch „Animal Man“ wieder zu neuem Glanz verhalf erzählt ein spannendes Abenteuer, welches sehr viel Potenzial in sich birgt. Hier geht es nicht einfach weiter und nach den Ereignissen in diesem Band ist wieder alles beim Alten. Stattdessen bleibt der Leser mit der Frage zurück, ob und wie es nun weitergeht, da das Ende, kein wirkliches Ende ist. Ist es ein neuer Anfang, ist es wieder eine Fantasie, oder gar etwas gänzlich anderes. Die Verbindung von altägyptischen Mythen, Psychoelementen und einem Crime Noir-Flair erzeugen eine ganz besondere Stimmung, der man sich nur schwer entziehen kann.

Was will Konshu eigentlich?

Was will Konshu eigentlich?

Einen sehr großen Teil zu eben jener Stimmung tragen auch die grandiosen und extrem atmosphärischen Zeichnungen von Greg Smallwood, der schon mit Brian Wood an „Moon Knight: Black Out“ gearbeitet hat. Sein skizzenartiger Zeichenstil, der größtenteils ohne Inks auskommt und mich stark an Kohlezeichnungen erinnert, ist die ideale Ergänzung zur mythischen Handlung mit ihren Mystery und Psychoelementen. Er schafft es, dass alte ägyptische Pyramiden und viel Sand, sich in einer Großstadt, wie New York, nicht so merkwürdig anfühlen und aussehen, wie es auf den ersten Blick klingen mag. Ganz einfach gesagt ist dieser Band optisch eine wahre Augenweide. Fernab dessen, was andere Zeichner abliefern, und durchaus auch gute Arbeit leisten, ist es hier fast schon wie eine visuelle Offenbarung. Besonders das fünfte und letzte Kapitel, bei dem neben Greg Smallwood auch der sehr talentierte und ebenfalls für seine experimentellen Stile bekannte Francesco Francavilla, sowie James Strokoe und Wilfredo Torres beteiligt waren. Dieses US-Heft zeigt eine künstlerische Vielfalt, wie kaum eine andere Ausgabe und dennoch bilden die verschiedenen Stile eine wunderbare und homogene Einheit. Kein Stil bricht sich mit einem anderen und bewahrt dennoch seine Eigenständigkeit.

Was ist real und was nicht. Wahr alles nur eine Illusion?

Was ist real und was nicht. War alles nur eine Illusion?

Wenn ich ehrlich bin, kannte ich Moon Knight bisher nur aus seinen Abenteuern aus der Condor-Ära in den 80er und 90er Jahren, plus ein paar wenige Geschichten, wie der One-Shot „Silent Knight“, oder Ausgaben der Serie von Charlie Huston und Brian Finch (auf Deutsch zu finden in mehreren 100% Marvel-Ausgaben von Panini). Doch keines hat mich bisher so faszinieren können, wie dieser Band. Zwar waren auch diese Geschichten nicht wirklich schlecht, aber ihnen fehlte einfach das Besondere, was dieser Band eben vorzuweisen hat.
Klar und deutlich gesagt ist dieser Band eine absolute Pflichtlektüre, egal ob man bereits Erfahrungen mit dieser Figur gemacht hat, oder nicht.

Ist dies die Wahrheit?

Ist dies die Wahrheit?

Copyright aller verwendeten Bilder © 2016-2017 Marvel & Subs. / Panini Comics

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