Ma-Co-Re-Mix (Vol. 48) (Spider-Man: Maximum Carnage Nr. 1 & 2)

Nach einer etwas längeren Pause geht es heute mit einem bekannten Story-Arc aus den Neunziger Jahren weiter und auch gleichzeitig einem sehr umstrittenen Arc. Denn für viele Comicfans von heute, war Maximum Carnage ein prägendes Ereignis. Woran es lag, kann vielleicht dieses Review klären …

MaCoReMix

Spider-Man: Maximum Carnage Nr. 1 [Juni 2016]

Autor: Tom DeFalco, Jean Marc DeMatteis, Terry Kavanagh, David Michelinie
Zeichner: Mark Bagley, Sal Buscema, Ron Lim, Tom Lyle, Alex Saviuk
Format: Softcover/Hardcover
Umfang: 180 Seiten
Inhalt: Spider-Man Unlimited (1993) 1 (I), Web of Spider-Man (1985) 101-102, Amazing Spider-Man (1963) 378-379, Spider-Man (1990) 35 & The Spectacular Spider-Man (1976) 201
Verlag: Panini Comics
Preis: 16,99 Euro (SC)/29,00 Euro (HC)

Nachdem Carnage aus Ravencroft entkommen konnte und in der geisteskranken Shriek eine gleichgesinnte Partnerin gefunden hat, beginnen die beiden ihre Terrorherrschaft über New York. Viele Menschen müssen darunter leiden und schnell schaaren sich weitere Verrückte wie Dopperlgänger, Demo-Goblin und Carrion um sie. Aber Spider-Man kann dem nicht tatenlos zusehen und sucht sich ebenfalls Unterstützung. Ihm zur Seite stehen Black Cat, Venom, Cloak und Dagger, die gemeinsam versuchen das Chaos, welches Carnage und seine Begleiter verursachen zu beenden. Unterdessen kämpft Mary Jane mit den Problemen in ihrer Ehe und der Freundschaft zu Liz Allen, die gerade erst ihren Mann Harry Osborn verloren hat …

Spider-Man: Maximum Carnage Nr. 2 [Verlag, Monat Jahr]

Autor: Tom DeFalco, Jean Marc DeMatteis, Terry Kavanagh, David Michelinie
Zeichner: Mark Bagley, Sal Buscema, Ron Lim, Tom Lyle, Alex Saviuk, Randy Emberlin
Format: Softcover/Hardcover
Umfang: 180 Seiten
Inhalt: Spider-Man (1990) 36-37, The Spectacular Spider-Man (1976) 202-203, Web of Spider-Man (1985) 103, Amazing Spider-Man (1963) 380, Spider-Man Unlimited (1993)
Verlag: Panini Comics
Preis: 16,99 Euro (SC)/29,00 Euro (HC)

Carnage verbreitet weiterhin Chaos in New York, sehr zum Leidwesen seiner Bewohner. Viele wurden bereits verletzt und einige sind sogar gestorben. Dies ruft auch andere Helden auf den Plan. Deathlok, Iron Fist und Firestar sind nur ein paar davon. Richtig ernst wird es, als auch noch Captain America zum Team stößt. Doch das große Finale findet zwischen Carnage und Venom statt. Vater gegen Sohn. Und dabei kann es nur einen Überlebenden geben …

Maximum Carnage ist eines der großen Werke der dunklen Neunziger. Das Dark Age der Comics wartete mit viel sinnloser Gewalt und eher oberflächlichen Handlungen auf. Ähnlich verhält es sich auch mit Maximum Carnage. Das Serien übergreifende Crossover umfasste vierzehn Teile und zog sich drei Monate lang durch alle fünf Spider-Man-Heftserien. Als Autoren wirkten Tom DeFalco, Jean Marc DeMatteis, Terry Kavanagh und David Michelinie auf, die kurz darauf die zweite Klonsaga starteten. Vielleicht war Maximum Carnage auch eine Art Testlauf, der sich als durchaus erfolgreich erwies. Immerhin zog der Mehrteiler eine Videospieladaption nach sich, die ebenfalls kaum Handlung und viel Gekloppe beinhaltete.
Auch das Zeichnergespann trifft sich später zur Klonsaga wieder. Mit Mark Bagley und Sal Buscema sind zwei feste Größen der 90er Jahre an Bord, während Alex Saviuk bereist seit den 80er Jahren für Marvel (vorher seit den späten 70ern für DC) arbeitete, unter anderem 7 Jahre an „Web of Spider-Man“ und Ron Lim, Tom Lyle begannen zu dieser Zeit ihre Karrieren. Und so zeigt Maximum Carnage eben auch ein typisches neunziger Jahre Artwork, dass man auch mögen muss.

Um an Maximum Carnage Gefallen zu finden, muss man schon zu Teilen ein Kind der Neunziger sein und auch an eher sinnloser Gewalt seine Freude finden. Ähnlich einem Horror-B-Movie versprüht Maximum Carnage einen seltsamen Charme, der heute leider nicht mehr ganz so gut wirkt, wie es damals der Fall war. Und wenn ich schon bei „Damals“ bin, kann ich auch gleich darauf hinweisen, dass Maximum Carnage bei seiner ersten Veröffentlichung, Mitte der Neunziger, im Condor Verlag innerhalb der „Die Spinne“-Heftserie, einiges an Schnitten und Zensuren erfuhr.

Hierfür habe ich mir die Condor-Hefte zur Hand genommen und Seite für Seite verglichen. Die meisten Änderungen ergaben sich aus dem Problem, das bei Condor die verschiedenen Spider-Man-Serien nicht synchron liefen. Die Heftserie war vorrangig der US-Serie „Amazin Spider-Man“ vorbehalten, während „Web of Spider-Man“ und „Spectacular Spider-Man“ im Taschenbuch zum Abdruck kamen und die adjektivlose „Spider-Man“-Reihe in den Alben. Doch als sich Maximum Carnage ankündigte, stand man bei Condor vor einem Problem. Eine veröffentlichugn in den unterschiedlichen Formaten war aufgrund der Erscheinungsweise von den drei Reihen unmöglich. Die Heftserie erschien monatlich, die Taschenbücher alle 3 Monate und die Alben alle vier Monate.
Also entschied man sich, das Event in der Heftserie stattfinden zu lassen. Während die Alben davon relativ unberührt blieben, weil die meisten Geschichten dort eigenständig laufen konnten, war die Verknüpfung mit dem Taschenbuch schon enger. Allerdings war man dort, gerade was Harry Osborns schicksalhaften Tod betrifft (im „Die Spinne“-Taschenbuch Nr. 71), noch lange nicht so weit. Daher beschloss man bei Condor Harry kurzerhand wegzuschicken, statt ihn sterben zu lassen. Dies zeigt sich auch in den Kürzungen bei Maximum Carnage.
Schon im ersten Heft (Spider-Man Unlimited #1) fehlen bei der Erstauflage die Seiten 5 und 6 mit Harrys Beerdigung. Auch die Seite 10, mit einem Gespräch, welches nach der Beerdigung stattfindet, wurde ersatzlos gestrichen. In US-Ausgabe 378, der Serie „Amazing Spider-Man“ fehlt in der deutschen Erstauflage die 6. Seite, auf der Spider-Man und Cloak ein Gespräch nach Daggers Tod führen. Auch wie Mary Jane in der Disco The Deep während des Angriffs „überlebt“ fehlt in der deutschen Erstausgabe. Diese 9. Seite aus „Web of Spider-Man“ wurde von Condor ebenfalls ersatzlos gestrichen. Aus der gleichen US-Ausgabe fehlt außerdem noch die 18. Seite, in der ein etwas erweiterter Kampf zu sehen ist. Nachdem Black Cat, Venom und Spider-Man mit Cloak im Waisenhaus, in dem Carnage aufwuchs, recherchiert haben, machen sich die ersten Drei auf den Weg, was Condor dazu bewegte diese Seite ebenfalls ersatzlos zu streichen. Im Nachdruck von Panini, sowie der US-Originalausgabe 9 der Serie „Amazing Spider-man“ ist sie zu finden. Als Peters Tante May und seine vor kurzem von den Toten auferstandenen Eltern auf der Straße von einer Gang angegriffen werden, bleibt dem Condor-Leser ihr Schicksal unaufgelöst. Dafür hat Panini dieses Rätsel aus US-“Spider-Man“ #36 endlich gelüftet. Ebenfalls fehlt die erste Seite aus „Web of Spider-Man“ #103, wo zu sehen ist, wie Carnage und sein Team weiter Chaos verbreitet, sowie die 19. Seite, auf der Spider-Man und sein Team in einem Polizeirevier zurückschlagen, als die Insassen durchdrehen.

Aber es gibt auch umgekehrt Dinge, die ich finden konnte, welche Condor veröffentlicht, oder wenigstens anders veröffentlicht hat. Oftmals wurden bei Panini in der Neuauflage Doppel-Splashseiten zu einer normalen Seite zusammengfasst. So geschehen bei den Originalausgaben von „Spectacular Spider-Man“ (#201 Seiten 2&3, #202 Seiten 2&3 und 22&23), „Spider-Man“ (#36 Seiten 2&3) und „Web of Spider-Man“ (#103 Seiten 2&3). Doch auch Panini, oder vielleicht sogar schon Marvel USA (da bin ich mir gerade nicht sicher, weil ich keine US-Reprint besitze) haben in der Neuauflage Seiten gestrichen. Dies betrifft jedoch nur Zusammenfassungen (im weitesten Sinne) aus „Spectacular Spider-Man“ #201 und #202.
Somit ergeben sich 10 fehlende Seiten in der deutschen Erstveröffentlichung, 4 Doppelsplashpages, die in der Neuauflage zu jeweils einer Seite zusammengesetzt wurden und zwei Seiten die in der Neuauflage fehlen.

Zusammenfassend kann man zweifelsohne sagen, das Maximum Carnage ein typisches Produkt der 90er Jahre ist, mit all seinem Charme und dem heute daraus resultierenden Unverständnis. Wem 90er Jahre Comics gefallen, oder wer mit dieser Geschichte aufgewachsen und/oder in die Comicwelt eingestiegen ist, kann auch jetzt noch Spaß daran haben. Jedoch muss man auch wirklich sagen, das Maximum Carnage nicht mehr als eine Prügelorgie ist, und man nicht mehr davon erwarten darf. Keine tiefgründigen Charakterentwicklungen oder Emotionen. Einfach nur Haudrauf und Gut. Eben ein No-Brainer-Action-Comic mit durchaus liebenswerten Zeichnungen.

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2 Kommentare zu “Ma-Co-Re-Mix (Vol. 48) (Spider-Man: Maximum Carnage Nr. 1 & 2)

  1. Schönes Review, aber eine Sache. Alex Saviuk begann nicht mit diesem Event seine Karriere sondern war zu diesem Zeitpunkt schon längst ein etablierter Zeichner der Szene. Nicht zuletzt nach seinem 7 Jahre andauernden Run bei Web of Spider-Man seit mitte der 80er Jahre (Ausgabe 35-116)

    • Siehste mal, der ist mir glatt enfallen, obwohl ich sogar das grüne Metallic-Cover von WSM 100 hier hängen habe. Asche auf mein Haupt. Wird natürlich sofort korrigiert.

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