Disney & Funnies (1) [Lustiges Taschenbuch Premium Nr. 8 & 12]

Um so manch einer Comireihe/serie auch einen würdigen Platz zu liefern und es nicht unbedingt in einen Topf mit anderen Genres zu schmeißen, dachte ich mir, dass ich eine neue Rubrik aus der Taufe hebe. Das wäre dann hiermit geschehen und in dieser finden sich ab sofort unregelmäßig, Funnies und verschiedene Disneycomics. Nur die Simpsons, bzw. Bongo-Produktionen behalten ihre eigene Rubrik. Heute geht es los, mit den Premiumausgaben des Lustigen Taschenbuchs und der in den Bänden 8 und 12 enthaltenen Serie „Mickey Mouse Mystery Magazine“ aus Italien, die im Zuge einer Modernisierung, genauso wie „Paperinik New Adventures“ (bei uns als „Phantomias“ zuerst in Heftform, wenige Jahre später im Prestigeformat und nun ebenfalls in der Reihe Lustiges Taschenbuch Premium, zu finden) entstanden ist. Worum es genau darin geht, und weshalb es die Reihe bis zu diesem Zeitpunkt nicht nach Deutschland schaffte, dem möchte ich mit diesem Review auf den Grund gehen …

disney-funnies-smallLustiges Taschenbuch Premium Nr. 8: Micky Mystery [Egmont, Februar 2015]

Autor: Tito Faraci, Ezio Sisto, Francesco Artibani
Zeichner: Giorgio Cavazzano, Allessandro Perina, Andrea Cagol, Giuseppe Zironi, Claudio Sciarrone
Format: Softcover
Umfang: 384 Seiten
Inhalt: Mickey Mouse Mystery Magazine 0-5
Verlag: Egmont Ehapa Media GmbH
Preis: 9,95 Euro

Und plötzlich findet sich Micky im Polizeirevier von Anderville zum Verhör wieder. Einer Großstadt mit viel krimineller Energie, typischem Flair und einer Menge an Überraschungen. Aber wie ist er überhaupt hier hergekommen und warum?
Alles begann mit einem mysteriösen Brief seines ehemaligen Studienfreundes Sonny Mitchell, der in besagter Stadt eine Detektivagentur besitzt. Doch von Sonny fehlt leider jede Spur und so erbt Micky zuerst einmal das Detektivbüro samt Schulden und allem Ärger, den sich Sonny eingebrockt hat. Und als ob das noch nicht reichen würde, gerät Micky auch gleich noch in seinen ersten Fall und macht dabei nicht nur die Bekanntschaft von Little Caesar, der ein kleines Bistro betreibt mit mehr oder weniger gutem Essen und seinen Gästen Eddy Megget, seines Zeichens Buchmacher, Stan Passarelli, Zeitungsverkäufer und Informationsquelle, wenn es um sämtliche Belange in Anderville geht, Burke, fährt auf seine ganz persönliche Art Taxi in Anderville, Dash hat gute Beziehungen in alle Kreise der Stadt und Vera Caspary, die in irgendeinem Zusammenhang mit Sonny zu stehen scheint. Dann wäre da noch Jan Clayton, Inspektor des 28. Polizeireviers in Anderville, dem Micky nach einer nicht zu übersehenden Explosion am Bahnhof, in die er „verwickelt“ wurde, seine Beweggründe für die Reise nach Anderville offenlegen muss. Doch selbst, als die ersten Probleme beseitigt und die offenen Fragen beantwortet wurden, muss Micky feststellen, dass sein Aufenthalt in Anderville nicht wie geplant nur ein paar tage dauern wird. Bis auf Weiteres darf der neue Inhaber des Detektivbüros die Stadt nämlich nicht mehr verlassen …
… und dann wäre da auch noch die Frage, wo Sonny sich jetzt befindet?

Mit dieser, noch vor „Micky X“ entstandenen Serie, die es leider nur auf insgesamt 12 Ausgaben brachte und vom Mai 1999 bis März 2001 bei Topolino in Italien erschien, begann man erstmals Micky direkt in eine kriminalistische Umgebung einzugliedern. Erfinder von Mickey Mouse Mystery Magazine, wie die Serie im Original heißt, ist der Autor Tito Fraci und der Zeichner Giorgio Cavazzano (der im Übrigen auch eine sehr schöne überformatige Graphic Novel mit Spider-Man schuf, die ich euch bei Gelegenheit einmal vorstellen werde), die mit der wunderbaren Nullausgabe der Serie eine faszinierende, an New York angelehnte Großstadt mit liebenswerten Figuren bevölkerte Szenerie erschufen. Trotz veränderter Umgebung und neuem Elan, die diese Serie von Beginn an versprüht, ist Micky typischer denn je. Seine bisherigen detektivischen Fähigkeiten werden zentraler in den Fokus geschoben und ein wenig Kampfsporterfahrung bekommt er auch gleich noch verpasst, um sich gegen die Unterwelt in Anderville zur Wehr setzten zu können. Die in sich abgeschlossenen Geschichten, die lediglich manchmal aufeinander aufbauen, werden nur grob von der Hintergrundgeschichte um Mickys Freund Sonny zusammengehalten. In diesem Band, der mit 384 Seiten recht stark ausgestattet ist, befinden sich die bereits erwähnte Nullausgabe und die Nummern Eins bis Fünf der Serie, die bis heute übrigens nicht offiziell eingestellt wurde, auch wenn sie, und das kann ich hier schon verraten, einen Abschluss findet, der im nächsten Band enthalten ist.

Micky Mystery ist eine typische Crime Noir-Geschichte, die im weiteren Verlauf sogar signifikante Elemente verschiedener Kriminalserien und Filme aufgreift. Gerade der Schluss einiger Geschichten, in denen dargestellt wird, dass sich Micky das gerade erlebte Abenteuer in einem Kino angesehen hat, wirken wunderbar stimmungsvoll und unterstreichen das Gesamtbild der Serie.

Die Zeichnungen sind, trotz großer Künstler, wie dem bereits erwähnten Giorgio Cavazzano recht austauschbar, aber passend. Der bekannte frische und lebendige Stil zieht sich durch den gesamten Band. Leider schaffen es aber nicht alle Zeichner, den Flair der Großstadt und das mysteriöse deren Unterwelt so gut einzufangen, wodurch einige Geschichten etwas ungewollt bunt und schrill wirken, wie man es von einem typischen Disneycomic gewohnt ist. Etwas besser gelingt dieser Balanceakt neben Cavazzaon nur noch Giuseppe Zieroni und Alessandro Perina, wobei auch die Zeichnungen der anderen Künstler nicht grundlegend schlecht sind. Nur eben leider nicht so stimmungsvoll. Wer also ein quietschbuntes Comicabenteuer mit Micky Maus erwartet, wird auch bei der Farbgebung enttäuscht. Vorrangig dominieren dunkle gedeckte Farben den Band. Zumeist Blau und Braun, die nur gelegentlich von ein paar Farbtupfern aufgelockert werden. Ein kleines Manko ist hierbei in meinen Augen jedoch das Lettering und das Format. Diesen Geschichten hätte ein Albumformat mit einem handschriftlich wirkenden Lettering wirklich gut gestanden. So gehen auf den, zwar etwas größeren Seiten, im Vergleich zu einem herkömmlichen Lustigen Taschenbuch (in Höhe und Breite etwas mehr als 1 Zentimeter) viele Details verloren und die doch recht textlastigen Sprechblasen wirken oftmals gequetscht, um überhaupt lesbar zu bleiben. Dennoch hat der Übersetzer Michael Bregel gut Arbeit geleistet und auch der Letterer (dessen Name ich leider nicht in Erfahrung bringen konnte) gab sein Bestes, was man angesichts der Menge an Text und des Formates durchaus anerkennen muss.

Bevor ich jetzt aber zu einem abschließenden Fazit komme, würde ich euch erst einmal noch den zweiten Band vorstellen und die Reihe als komplettes Werk beurteilen:

Lustiges Taschenbuch Premium Nr. 12: Micky Mystery ermittelt wieder [Egmont, Juni 2016]

Autor: Francesco Artibani, Ezio Sisto, Tito Faraci, Augusto Macchetto, Ricardo Secchi
Zeichner: Claudio Sciarrone, Corrado Mastantuono, Sandro Zemolin, Stefano Turconi, Paolo Mottura, Marco Palazzi, Silvio Camboni
Format: Softcover
Umfang: 400 Seiten
Inhalt: Mickey Mouse Mystery Magazine 6-11
Verlag: Egmont Ehapa Media GmbH
Preis: 9,95 Euro

Micky befindet sich noch immer in Anderville und leitet nach wie vor die Detektei seines Freundes Sonny, der nach dem Ende des Prozesses gegen den Großindustriellen und scheinbaren Machthaber von Anderville, Henry J. Lasswell, noch nicht zurückgekehrt ist. Doch Micky kommt auch alleine sehr gut zurecht und hat mit der Detektei recht gut zu tun. Dabei werden die verschiedensten Fälle an ihn herangetragen. Ob Industriespionage im Zusammenhang mit dem neuen Superzug Black Mask, für die Wiederherstellung des guten Rufs eines früheren Pioniers von Anderville, George Trenco, oder bei einer Bombendrohung zum alljährlichen Marathonlauf von Anderville, um nur ein paar der Fälle zu nennen. Und für jeden Fall legt sich Micky mit seiner neuen Partnerin Detective Patty Ballestreros, die kürzlich ihren Polizeidienst freiwillig quittierte, mächtig ins Zeug …

So bunt wie das Autorenteam, so abwechselnd sind auch erneut die Fälle, mit denen es Micky zu tun bekommt. Jedoch gibt es leichte Änderungen im Verlauf des Bandes. Waren es im ersten Band, und auch hier zu Beginn, noch typische Kriminalfälle, wie man sie vom Aufbau her aus alten Kriminalromanen und Filmen/Serien kennt, weichen diese zum Ende hin, eher den neuen, actionreicheren Crimestorys, wie sie aktuell recht häufig anzutreffen sind. Im Grunde ist dies auch nichts Schlechtes, es geht aber für mein Empfinden sehr viel von dem, was Tito Faraci und Giorgio Cavazzano in der allerersten Geschichte aufgebaut hatten, verloren. Und auch wenn Micky sich ganz typisch, mit Regenmantel durch Anderville bewegt, will dieses klassische Crime Noir-Feeling nicht mehr so recht aufkommen. Am Auffälligsten ist jedoch die vierte Geschichte mit dem Titel „Lauf, Lauf, Lauf“, welche bereits im Jahre 2000 entstand und erschreckende Ähnlichkeiten mit dem Anschlag vom 15. April 2013 in Boston aufweist, bei dem durch mehrere Bomben bei einem Marathon viele Menschen verletzt und getötet wurden. Selbst wenn Micky hier viel Schreckliches verhindern kann, sind die Parallelen doch erstaunlich und erschreckend, sodass man dies beim Lesen nur schwer aus dem Hinterkopf bekommt.

Auch visuell gibt es markante Änderungen, die sich allerdings weniger im Zeichenstil niederschlagen, als vielmehr in der Gesamtgestaltung und Kolorierung. So weicht die im letzten Band sehr gelungene Darstellung in denen viele Fälle als Kinofilme dargestellt wurden, aus deren Vorstellung Micky dann herausgeht, einer eher tageszeitungsähnlichen Aufmachung. Mit stilisierten Papierschnipseln, die Ort und Datumsangaben enthalten, wird der Leser auf die Ereignisse eingestimmt und durch den gesamten Band begleitet. Auch dies ist eigentlich nicht schlecht, aber leider auch schon viel zu oft angewandt worden. Von daher fand ich es mit der Kinoillusion schöner, wenn am Ende der Abspann begann und Mickey das Kino verließ.
Auch die Farbgebung fällt hier, wie bereits angedeutet, anders, vor allem bunter und heller aus. Die im letzten Band noch verwendeten gediegeneren dunkleren Farben, weichen hier freundlichen hellen Tönen und vor allem kräftigen Farben. Für einige Geschichten mag dies kurzzeitig passend sein, allerdings bekommt man immer wieder das Gefühl, als würde man sich eine Disneyversion von CSI Miami ansehen (abzüglich der kriminaltechnischen Ermittlungsmethoden), was doch schon recht befremdlich ist. Erst in der letzten Geschichte, die leider nicht von den beiden geistigen Vätern stammt, aber dennoch sehr gelungen ist, wird es wieder etwas gediegener, wenn man von wenigen Panels absieht, in denen diese Farbakzente aber bewusst gewählt wurden.

Da ich euch nun beide Bände vorgestellt habe, möchte ich euch das Gesamtfazit natürlich nicht vorenthalten. Ich gebe zu, dass ich zuerst etwas skeptisch war. Schon wieder eine Kriminalserie mit Ermittler Micky Maus. Das kann doch nur langweilig werden, da er dieses „Hobby“ immerhin schon seit mehr als einem halben Jahrhundert ausübt. Was also sollte diese Serie so besonders machen? Gab es vielleicht einen Grund, weshalb sie bisher nicht in Deutschland veröffentlicht wurde? Nach erfolgreicher und überhaupt nicht langweiliger Lektüre, kann ich nun sagen, dass ich es nicht verstehe, weshalb die Serie hier nun erstmals dem deutschen Leser präsentiert wird. Nicht nur, dass sich viele der Zeichnungen und die Geschichten an sich, in einem albenähnlichen Format besser gemacht hätten, es ist dadurch leider auch so, dass die wunderschönen Originaltitelbilder den Lesern in Deutschland in großen Teilen vorenthalten bleiben. Ein Format, wie es hier vorliegt, mag zwar durchaus angemessen sein, um „schlechter“ laufenden Serien eine zusätzliche Chance zu bieten, wie es mit den bereits leider erfolglosen versuchen von „Phantomias“ und „Micky X“ geschieht. Aber vielleicht hatte man auch einfach nur Angst, dass meine zu Beginn geäußerten Verdachtsargumente bei zu vielen potenziellen Käufern auftreten, und daher die zu erwartenden Verkäufe zu gering ausgefallen wären. Nachdem ich jetzt allerdings um die Qualität der Serie weiß, und auch der Tatsache, dass sie sowieso nur 12 Ausgaben umfasst, würde ich mir sogar eine handgeletterte Albumausgabe zulegen. Softcover würde da eigentlich schon reichen, aber Hardcover wäre sicherlich auch schick. Aber das wären meine persönliche Wünsche und ich kann euch diese wunderbare Serie nur guten Gewissen ans Herz legen. Freunde von Micky Maus, die ihren großohrigen Helden gerne als Detektiv erleben, kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten. Für mich gehört Micky Mystery zu den besten Detektivserien mit Micky Maus in den letzten Jahrzehnten.

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