Dominiks Reisetagebuch (7): Eine russische Hochzeit, Pjatigorsk und der große Kaukasus in Russland [ August, 2016]

Dominik_AVAMein Freund und ich sind der Einladung an einer russischen Hochzeit teilzunehmen gefolgt.
Aus diesem Anlass heraus haben wir eine Woche Urlaub genommen. Meine besten Freunde (wohnhaft in Deutschland, gebürtig aus Russland) haben ihre Hochzeit mit der Familie in Pjatigorsk gefeiert.
Nach der Hochzeit haben wir uns Pjatigorsk und die Umgebung angeschaut. In dieser Zeit haben wir drei Tagestouren in den großen Kaukasus unternommen, unter anderem waren wir am höchsten Berg von Europa, dem Elbrus (ob der Elbrus oder der Mont Blanc der höchste Berg von Europa ist, das hängt von der Definition der innereurasischen Grenze ab).
Wir hatten eine sehr schöne Zeit in Russland mit unseren Freunden. Die russische Gastfreundschaft, die russische Kultur, eine russische Hochzeit, die Landschaft, der Kaukasus, der Elbrus, die Menschen dort, es war definitiv ein bereicherndes Erlebnis.

Am Elbrus unterwegs.

Am Elbrus unterwegs.

Am Freitag den 12. August bin ich von Düsseldorf nach Moskau geflogen. Mein Freund ist von Berlin gestartet. Wir haben uns in Moskau getroffen.
Dort scheint es beinahe an der Tagesordnung zu sein, dass die Gates am Terminal mehrmals wechseln, sodass wir dies letztendlich gar nicht mehr mitbekommen haben. Daraufhin konnte unser Anschlussflug wegen uns beiden erst eine knappe halbe Stunde später starten. Leicht verschwitzt kamen wir im Flugzeug an, alle Passagiere saßen bereits im Flugzeug und schienen nur auf uns gewartet zu haben.
Der Flug nach Mineralnyje Wody (Mineralwasser) war entspannt, am Abend sind wir bereits von unseren Freunden vor Ort abgeholt und in unser Hotel begleitet worden.
Dort haben wir die Angehörigen der Familien getroffen.
Den ersten Abend haben wir gemütlich mit einheimischen Speisen ausklingen lassen.

Direkt am nächsten Tag haben wir uns auf die Hochzeit vorbereitet.
Bis 16.00 Uhr hatten wir Zeit uns die Stadt Pjatigorsk näher anzuschauen. Wir sind durch die Stadt gelaufen und haben uns verschiedene Aussichtspunkte angeschaut.
An diesem ersten Tag war es sehr warm, in der prallen Sonne zeigte das Thermometer 39 Grad, im Schatten zeigte es 36 Grad an.

Auf dem alltäglichen Markt unterwegs.

Auf dem alltäglichen Markt unterwegs.

Ein Taxi hat uns zur Hochzeit gefahren.
Dort dauerte es noch eine Weile, ehe das Hochzeitspaar durch Musik begleitet, nacheinander einmarschiert ist. Die Location ist sehr schön, draußen an einem Wassersteg, das Publikum steht drum herum im Kreis.
Es wurde gejubelt und geklatscht, doch mein Freund und ich haben im Grunde genommen nichts verstanden. Die Hochzeit war auf russisch!
Mehrere Reden der Brautpaare, der Eltern und Angehörigen folgten.
Etwas später zogen wir in den geschmückten Hochzeitssaal. Vor dem Eingang haben wir das Brautpaar erneut willkommen geheißen. Russische Rufe und russische Gesten verfeinerten den Empfang.
Von den Eltern wurde das Brautpaar mit Brot und Salz empfangen. Das Brautpaar reißt jeweils ein großes Stück von einem Leib Brot ab. Derjenige mit dem größten Stück in der Hand behält die Oberhand in der Familie, so der Brauch.

Ein Blick über Pjatigorsk.

Ein Blick über Pjatigorsk.

Darauf nahmen alle Gäste Platz.
Das Brautpaar und die engsten Familienangehörigen saßen wie König und Königin in der Mitte des Saals.
Die Tische waren reichlich mit Speisen und Getränken gedeckt.
An Getränken gab es neben Wasser reichlich Wodka, Wein und Cognac.

Den restlichen Abend haben wir mit mehreren russischen Spielen, gepaart mit russischen Sitten und Bräuchen verbracht. Um Punkt Mitternacht war die Hochzeit vorbei.
Bis dahin wurde die Feier durch eine Moderatorin geleitet. Jeder Gast wurde aufgefordert, dem Brautpaar seine Glückwünsche zu äußern.
Es wurde getanzt, Wettbewerbe (wer tanzt besser, die Frauen oder die Männer) und viele russische Spiele wurden gespielt. Das Brautpaar durfte eine Pflanze als Symbol für die Ehe einpflanzen. Es gab einige sehr emotionale Momente an diesem Abend. Den ganzen Abend über haben wir nur wenig verstanden, das war aber nicht weiter schlimm, wir haben trotzdem unser Bestes gegeben. Ich durfte zu Mr. Bean Sexbomb tanzen und seltsamerweise, obwohl ich immer sage, dass ich nicht tanzen kann, habe ich den ersten Preis gewonnen.
So ging der Abend bei dem ein oder anderen mit mehr oder weniger Alkohol gemütlich zu Ende.

Mit der Seilbahn hoch hinaus.

Mit der Seilbahn hoch hinaus.

Für uns war es ein absolutes Erlebnis, bei einer russischen Hochzeit, traditionell in Russland dabei gewesen zu sein.

Am nächsten Morgen waren wir bei der Familie des Brautpaares zu Hause eingeladen. Dort haben wir im Garten gemütlich gegessen und ebenfalls viel getrunken. Wir haben wieder nicht viel verstehen können, die meisten Menschen in Russland die nicht in der Nähe der größeren Städte wohnen, scheinen nur minimal Englisch zu sprechen und zu verstehen. „Wodka mein Freund, russische Tradition, Wodka ;)“
Dies ist wiederum unmissverständlich …
Ein gemütlicher Tag bei der Familie zu Hause neigte sich dem Ende zu.

Chillen auf der Seilbahn ...

Chillen auf der Seilbahn …

Der nächste Tag diente zur Vorbereitung auf die kommenden Tagesausflüge.
Wir haben überlegt, wie wir die Woche gestalten und was wir uns in Russland gerne ansehen würden.
Ausflüge wurden gebucht, die Stadt Pjatigorsk erkundet und Heilwasser getrunken. Dieses Heilwasser schmeckte definitiv sehr schwefelhaltig.
Wir sind mit ein paar Freunden der Familie erneut durch Pjatigorsk gelaufen und haben uns verschiedene Sehenswürdigkeiten angeschaut.

Die darauffolgenden nächsten zwei Tage haben wir am Elbrus im großen Kaukasus verbracht.
Morgens um 6.00 Uhr sind wir mit dem lokalen Bus zum Elbrus gefahren. Den richtigen Bus zu finden war gar nicht so einfach.
Wenn man nicht gerade in Moskau oder St. Petersburg unterwegs ist, steht alles auf Kyrillisch geschrieben.
Mein Freund und ich sind in diesen abgelegenen Orten eine kleine „Attraktion“ gewesen. Nicht viele Touristen (vor allem nicht viele Touristen mit brauner Hautfarbe) verirren sich in dieser Gegend rund um den Kaukasus. So kam es oftmals vor, dass jüngere Mitreisende versucht haben, ihr Schulenglisch aufzubessern und versucht haben eine Konversation mit uns zu beginnen. Die moderne Technik macht es möglich, es gibt bereits Apps, die deutsche Sprache ins russische Übersetzen und umgekehrt, oder russische Schrift für deutsche lesbar machen.
Mit diversen Hilfsmitteln, dem allgemeinen Englisch und dem kleinen Handbuch für russische Anfänger (erste Worte auf Russisch) haben wir uns die nächsten Tage gut durchgemogelt.

1. Aussichtspunkt.

1. Aussichtspunkt.

Die erste Etappe der Tour hat uns auf einen nahe gelegenen Berg des Elbrus geführt. Mit mehreren Seilbahnen sind wir hoch hinaufgefahren und hatten einen sehr schönen Blick auf den Elbrus und in das Gebirgstal rund um den Kaukasus. Bereits dieser Ausflug schien mir atemberaubend zu sein.
Darauf sind wir weiter zum Elbrus selbst gefahren. Mit mehreren Seilbahnen konnten wir auf eine Höhe von 3700 Metern hinauf.
Der erste Tag in dieser Höhe schien uns sehr anstrengend zu sein, wir hatten Kopfschmerzen und Schwindelgefühle in dieser Höhe.
Unser Tag in Pjatigorsk ist auf ungefähr 600 Höhenmeter gestartet. In verhältnismäßig kurzer Zeit auf eine Höhe knapp unter 4000 Meter hat uns Kopfbeschwerden bereitet.
Wir waren für diese Art von Ausflug auch nur rudimentär vorbereitet. Die Temperaturen waren an sich gar nicht so kalt auf Gletscherhöhe, doch der Wind war stark und eisig.
Ich lief in Winterjacke und mein Freund in Jacke und kurzer Hose. Typische Touristen besteigen einen Berg 😉
Am Abend haben wir uns ein Hotel genommen, um den nächsten Tag erneut auf den Elbrus zu steigen und weitere Höhenmeter zu erklimmen.
Ein Hotel zu finden war ebenfalls gar nicht so einfach, denn fast niemand hat verstanden, was wir wollten. Scheinbar haben in der Nebensaison viele Hotels auch gar nicht geöffnet, was die Suche nach einer Unterkunft etwas erschwerte, ehe wir am Abend bevor ein Gewitter aufgezogen ist und es Dunkel wurde, noch ein Hotel gefunden haben.

Am Elbrus

Am Elbrus

Der nächste Tag beginnt nach einem ausgiebigen Frühstück.
Erneut hinauf auf den Elbrus.
Diesmal haben wir es auf 4500 Meter Höhe geschafft. Ein Stückchen sind wir auch mit einem Jetski gefahren. Es war ein kleines Abenteuer auf über 4000 Meter Höhe.
Mein Freund und ich hatten unseren Spaß, rudimentär vorbereit haben wir viel geleistet.
So verging ein ganzer Tag, ehe wir den Bus nach Pjatigorsk gefunden haben. Es war gar nicht so leicht den richtigen Bus ausfindig zu machen, denn es hat uns beinahe wieder niemand richtig verstanden und wir konnten nicht wirklich die Buchstaben der Busse auf Kyrillisch entziffern. Letztendlich hat aber alles geklappt und wir haben noch einen kleinen Halt an einer weiteren Heilquelle gemacht. Hier hat das Wasser sehr stark nach Eisen geschmeckt.
Wieder in Pjatigorsk angekommen, sind wir zurück in unsere Unterkunft und haben uns auf den nächsten Tag vorbereitet.

Die Gipfel des Elbrus sind zu erkennen.

Die Gipfel des Elbrus sind zu erkennen.

Der nächste Ausflug ging in den Kaukasus mit meinem Freund, dem Brautpaar und Freunden.
Wir sind ausgiebig an Schluchten entlang gelaufen, es ging sehr steil ohne jegliches Geländer in die Tiefe.
Diese kleine Wanderung hat uns sehr gut gefallen, an den Bergen und Klippen entlang, ganz tief unten rauscht das Wasser.
Etwas später haben wir ein sehr leckeres einheimisches Essen mit unseren Freunden zu uns genommen, ehe wir darauf in einer warmen Quelle aus dem Erdinneren baden gewesen sind.
Ich bin noch nie in einer warmen Quelle baden gewesen, doch dieses Erlebnis ist besonders.

Ein weiterer Tag hat uns in den großen Kaukasus geführt. Erneut haben wir eine längere Busfahrt gemacht und sind in das idyllische Dorf Dombai gefahren.
Dort sind wir wieder mit der Seilbahn auf über 3000 Meter hinaufgefahren und sind dort oben umhergewandert. Die Aussicht ist wahrlich beeindruckend.
Wir haben den Tag dort verbracht und die Seele baumeln lassen. Es war ein entspannter Tag in luftiger Höhe, ehe es wieder zurück nach Pjatigorsk ging.

Hier geht es tief hinunter.

Hier geht es tief hinunter.

Den letzten Abend haben wir dann gemeinsam bei den Familien der Brautpaare verbracht.
Am nächsten Tag ging es auch schon zurück zum Flughafen nach Mineralnyje Wody. Von dort aus sind alle meine Freunde nach Moskau geflogen und dann haben wir uns dort in verschiedene Richtungen nach Deutschland verteilt.

Für eine gute Woche (vom 12. August bis zum 20. August) haben wir sehr viel in geraumer Zeit erlebt. Sehr viele Eindrücke, viele kulturelle Unterschiede und Erfahrungen durften wir sammeln und kennenlernen.

Schöne Aussicht.

Schöne Aussicht.

Im Folgenden möchte ich allgemein etwas über die Orte, die wir besucht haben schreiben.

Mineralnye Vody (Mineralwasser):

Die Stadt bzw. der Flughafen ist nicht weit entfernt von der Stadt Pjatigorsk.
In dieser Gegend gibt es bekannte Mineralwasserquellen. Einheimische Touristen nutzen die angrenzenden Städte (Pjatigorsk und Kislowodsk) als Kurstädte.

Pjatigorsk:

Ein idyllisches kleines Städtchen auf rund 600 Meter Höhe gelegen. 142.511 Einwohner hat Pjatigorsk.
Bereits vor Jahrhunderten entdeckte man die heißen Quellen dieser Gegend, welche nun Pjatigorsk zum Kurort für Einheimische gemacht haben.

Elbrus:

Der Berg hat einen Doppelgipfel (Westgipfel Höhe 5642 Meter, Ostgipfel Höhe 5621 Meter).
Der Elbrus ist im Grunde genommen ein erloschener Vulkan. Auf dem Weg zu den Gipfeln entdeckt der Wanderer mehrere Gletscher, welche in das Tal hinab fließen.

Der Kaukasus:

Über 1100 Kilometer ist der Kaukasus lang. Dieses Hochgebirge verläuft von Westnordwest nach Ostsüdost zwischen dem Schwarzem Meer und dem Kaspischem Meer.
Es unterteilt sich in die Gebirgsketten großer Kaukasus, kleiner Kaukasus und Talysch-Gebirge.
Der Kaukasus befindet sich in den Ländern von Russland, Georgien, Armenien und Aserbaidschan.

Dombai:

Dieses kleine schöne Dorf zählt rund 657 Einwohner. Es ist ein Wintersportort im russischen Nordkaukasus.
Dieser Ort befindet sich nicht weit entfernt von der Grenze zu Georgien.

In Dombai über 3000 Meter Höhe.

In Dombai über 3000 Meter Höhe.

Ich möchte mich ganz herzlich bei meinen Freunden bedanken.
Für die Unterstützung bei den organisatorischen Sachen der Touren, insbesondere für die Gastfreundschaft der Familien und für die vielen wundervollen Momente, die uns diese leider recht kurze Reise beschert hat.

Это было очень приятно
Истинная дружба является очень особенным 

Euer MysteriouslyBuddha

Quellenangabe:

Ich habe diesen Bericht weitestgehend eigenständig verfasst, einige Inhalte sind aus Wikipedia entnommen und leicht abgeändert.

Copyright der Fotos:
Mein Freund P.J. und MysteriouslyBuddha

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