Leftovers Nr. 2 [Plem Plem Productions, April 2016]

Nur etwas mehr als ein Jahr nach der ersten Ausgabe von Leftovers präsentierte Plem plem Productions nun auf dem Comicsalon in Erlangen die zweite Ausgabe von Jason Pittmans Slice of Life-Serie. Anders als die erste Ausgabe kommt Heft zwei mit mehreren Kurzgeschichten daher, statt mit einer einzigen heftlangen Story. Auch dieses Mal habe wir uns, sprich Dominik und meine Wenigkeit, zusammengetan um euch ein Review aus zwei Blickwinkeln zu bieten.

Leftovers Nr. 2

Ein ruhiger Abend mit einer Freundin und das sinnieren über Filme und Erlebnisse des vergangenen Tages. Die große Liebe und das hoffentlich ewige Glück mit der Person, die das eigene Leben komplettiert. Traurige und witzige Erinnerungen an einen lieben Menschen, der nicht mehr unter uns weilt und das Leben dennoch maßgeblich geprägt hat. Vergangene Enttäuschungen erkennen und akzeptieren, die den Charakter formen und entweder schwächen oder stärken. Oder auch persönliche Unsicherheiten bei wichtigen Entscheidungen in zwischenmenschlichen Fragen. Was ist das Leben?

Ist es Freundschaft, oder ist es Liebe? Jason Pittman erzählt mit Unterstützung von Shelley Briggs mehr oder weniger bedeutungsschwangere Geschichten, die viel Raum für Interpretation schaffen. Und so zeigt sich „Leftovers“ Nr. 2, weniger klar und deutlich, als noch das erste Heft und lässt den Leser mit einigen Fragen und einer spürbaren Unsicherheit über das eben gelesene zurück. Das zweite Heft von „Leftovers“ regt zum Nachdenken an. Das wesentliche sind diesmal die kleinen Dinge, die nicht so offensichtlich sind. Das, was zwischen den Zeilen steht und was nicht auf den Bildern prangt. Das kleine und leise „Dazwischen“. Es sind alltägliche Dinge, die jeder irgendwie und irgendwann schon einmal erlebt und gefühlt hat. Persönliche Erlebnisse, Emotionen und Erfahrungen, die einen Menschen formen. Pittman lebt in Leftovers ein Leben, wie es viele gelebt haben …

Wie bereits erwähnt, erhielt Pittman bei dieser Ausgabe Unterstützung von Shelly Briggs. Doch nur für die erste Story und da auch nur für die Handlung. Die visuelle Umsetzung aller Geschichten, so verschieden sie auch sind, stammt erneut vollständig von Pittman. Und das erstaunt umso mehr, wenn man sich die unterschiedlichen Stile einmal ansieht. Ja, es ist alle sin Schwarz/Weiß und ohne jegliche Graustufen. Auch sonst ist zwar klar zu erkennen, dass es sich um einen Zeichner handeln muss, aber dennoch sind merkliche Unterschiede auszumachen. Das Verhältnis von Schwarz und Weiß zueinander, die Dicke der Linien und der Detailreichtum der Figuren und Hintergründe. Mal etwas feiner in der Ausarbeitung und dann wieder skizzenhafter und gröber. Pittman spielt mit den visuellen Hilfsmitteln und bezieht sie in seine Erzählung mit ein, um die Stimmung des Lesers zu beeinflussen. Bei mir hat es gewirkt und trotzdem ich das Heft inzwischen mehrfach gelesen habe, bleibt eine gewisse emotionale Unsicherheit zurück, die ich aber nicht als unangenehm empfinde.

Ausblick auf Heft #3

Wer etwas sucht, dass weit abseits des üblichen Mainstreams und sogar des Plem Plem Programmes ist, der wird in „Leftovers“ Nr. 2 sein Glück finden. Wer jedoch nur seichte Unterhaltung sucht, einen Comic für zwischendurch sollte die Finger hiervon lassen. Für mich ist dieses Heft mehr als nur eine Sammlung von kurzen Comicgeschichten. Es ist auch gleichzeitig ein Einblick in die Seele des Autors und eine Auseinandersetzung mit mir selbst, ohne wirkliche Antworten zu finden. Stattdessen gibt es eine Art mögliche Wegbeschreibung, das Erkennen des Selbst. Und vielleicht kann man daraus sogar etwas für sich lernen. Allerdings braucht man hierfür Zeit, Geduld und den Willen, sich mit dem auseinanderzusetzen, was Pittman mit „Leftovers“ kredenzt.

Zweitmeinung von Mysteriously Buddha:

Dominik_AVALeftovers zwei beinhaltet fünf kleine Geschichten, welche alle annähernd ein und dasselbe zentrale Thema, nämlich die Liebe, aus verschiedenen Perspektiven näher betrachten.
Der Sandwurm aus der Dune-Wüstenplaneten-Saga ziert das Cover dieses Heftes. Selbstredend findet dieser Wurm auch einen kurzen einseitigen Auftritt in diesem Heft 😉
Schlägt der Leser die erste Seite auf, so lautet die erste Frage der ersten Geschichte:

„Hast du gefurzt?“
„Jepp.“

Mit diesen einleitenden Sätzen beginnt sogleich eine kleine Szenerie, wie sie alltäglicher im Leben eines single Mannes oder auch einer single Frau, nicht anders sein könnte. Ob die beiden flirten oder nicht, ob sie ein Pärchen sind oder nicht, erfahren tut dies der Leser nicht direkt. Vermutungen legen nahe, dass sie sich erst noch besser kennenlernen möchten …
Realitätsnah begeben sich die beiden Protagonisten auf einem gratis Imbiss plaudernd durch die Stadt. Der Sandwurm aus Dune hat einen kurzen Auftritt in dieser Szenerie, der durchaus leicht fehlplatziert wirken könnte, es aber nicht tut. In diesem Sinne, mich hat es etwas irritiert, warum der Wurm in dieser Geschichte auftaucht, aber es ist nicht weiter störend für die Geschichte oder gar Handlung.
Am Ende der ersten Geschichte bleibt der Leser in einer leicht melancholischen freudig erregten Stimmung zurück, er weiß nicht so recht, wie es bei den beiden weitergehen wird.
Die erste Geschichte hat mir persönlich gut gefallen. In ruhigen Tönen und klar strukturierten schwarzweiß Zeichnungen führt die Geschichte den Leser ähnlich wie bei einem zweiten Date (naja, nicht jeder pupst direkt) durch die Stadt, entlang am Wüstenwurm zu der abschließenden Frage (welche ich aus Spoiler technischen Gründen natürlich nicht verraten möchte) der ersten Geschichte.

Die zweite Geschichte dreht sich um ein Ehegelübde.
Ähnlich klar strukturiert gezeichnet wie die erste Geschichte, ist jedoch die Szenerie etwas „abstrakter“.
Sinnbildlich, teilweise in Metaphern wird dem Leser versucht zu verdeutlichen, was Liebe bzw. Ehe bedeutet.
Text und Zeichnungen ergänzen sich harmonisch einander und der Leser wird aufgefordert, kurz zu verweilen und sich zu Fragen, was Ehe eigentlich bedeutet:

„Aber nicht in unserem Gewässer.
Hier ist Neugierde.
Hier ist Zeit.
Wir kümmern uns umeinander, sorgen füreinander.“

Die dritte Geschichte ist kurz, knackig und dreht sich um Gummibärchen.
Auf einer Seite wird dem Leser kurz und bündig erläutert, was es bedeutet, ein Gummibärchen zu sein 😉

Die vierte Geschichte um ein Date ist wieder interessant. Ebenfalls in langsamen ruhigen Tönen erzählt, entfaltet sich ein erneut melancholisches Gefühl beim Lesen.
Selbstverständlich liegt es nicht an DIR, es liegt immer an MIR.
Wer sagt, dass Liebe eine einfache Geschichte ist …

Die Melancholie zieht sich auch durch die letzte Geschichte, wobei ich mir da beim ersten Lesen nicht so sicher gewesen bin, wie ich das Ende deuten soll.
Liebe oder keine Liebe? Was empfinde ich wirklich für einen Menschen?
Das Ende ist an sich offen, der Leser kann es für sich weiterspinnen. Wie würde es weitergehen?
Mit dieser Geschichte endet der zweite Band von Leftovers.

In ruhigen Tönen erhält der Leser kurze Einblicke von Personen, die einander näher kennenlernen.
Beziehungen, Ehegelübde, Trennungen, Versager in Sachen Liebe, Flirten, alles sind Vermutungen der einzelnen Situationen und deren Protagonisten. Die Geschichten zeigen dem Leser nicht hundertprozentig konkret, was eigentlich Sache ist. Aufgrund dieser Tatsache ist es dem Leser möglich, die Szenerien weiterzuspinnen. Das macht diesen Band interessant und ermöglicht im Kopf unterschiedliche Enden. Für den einen Leser treffen sich die beiden erneut, für den anderen Leser ist die Sache aus! Einzig und allein der Gummibär auf seiner einseitigen Geschichte passt nicht so hundertprozentig in dieses Heft. Das ist aber auch diesmal gar nicht weiter tragisch, denn die kurze Geschichte ist trotzdem cool, hat aber auf eine ganz andere Art und Weise als die anderen Geschichten in diesem Heft einen Bezug zum Thema Liebe (wenn überhaupt).
Ein kleiner Indie Hit aus der Plem Plem Fabrik – bitte zugreifen!

Copyright aller verwendeten Bilder © 2016 Jason Pittman / Plem Plem Productions

Titel: Leftovers #2
Verlag: Plem Plem Productions
Autor: Jason Pittman
Zeichner: Jason Pittman
Format: Heft
Umfang: 20 Seiten
Preis: 4,90 Euro

„Leftovers“ Nr. 2 im Shop von Plem Plem Productions bestellen.

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