Crossed + Einhundert Nr. 1 [Panini, Oktober 2015]

Dominik_AVAWie immer sind
Crossed-Bände ab 18
und nicht für Kinder
zugänglich!

Crossed + Einhundert Nr. 1

Ähnlich wie bei meinem Bericht über „Salvagers Nr. 1 möchte ich mit einem Youtube Video zu einem recht bekannten Konsolenspiel dem Leser die Atmosphäre dieses Bandes näher bringen.
Mein erster Gedanke hat mich zu „The Last of Us“ geführt. Die Atmosphäre dieses Spiels, die ersten Seiten von Crossed + Einhundert, das Setting, die Zeichnungen, eine postapokalyptische Welt, in der die Protagonisten um das pure Überleben kämpfen.

Klappentext:

Hundert Jahre nach dem Ende der Welt …

Einhundert Jahre, nachdem die menschliche Zivilisation in Crossed vor die Hunde ging, hat sich die Welt ein weiteres Mal drastisch verändert: Die Natur holte sich ein großes Stück des Planeten zurück, und die in grausame, wahnsinnige Barbaren verwandelten Gefirmten sind teilweise nur noch eine blutige Legende. Inmitten der Ruinen des 21. Jahrhunderts liegen Hoffnung, Risiko, Schrecken und Tod oft ganz nah beisammen. Hier machen sich die junge Archivarin Future Taylor und ihre Gefährten auf die gefährliche Suche nach Artefakten aus der Vergangenheit, um sie der neuen Gesellschaft zuzuführen …

Die Zukunft der Menschheit und der brutalen postapokalyptischen Welt von Crossed! Dieser eigenständige Band enthält die komplette erste Storyline von Crossed + Einhundert, geschrieben von Comic-Gott Alan Moore (Watchmen, V wie Vendetta) und gezeichnet von Gabriel Andrade (Ferals).

„Eine Reise ins Unbekannte, in der es darum geht, was es heißt, in Crossed und der Welt danach ein Mensch zu sein.“
– bleedingcool.com

Ganz ehrlich, die Zeichnungen sind klasse.
Farbig, bunt, kräftig, ausdrucksstark, detailliert und deutlich, als Leser ist alles auf den ersten Blick zu erkennen.
Da gibt es zwischendurch größere Panels und auch Splashpages. Panorama Ansichten der überwucherten Gegend, der zerfallenen Atomkraftwerke oder der einzelnen Siedlungen sind schön anzusehen.
Die bekannte Gewalt der Crossed Reihe wird auch hier gekonnt fortgeführt. Zu Beginn eher noch dezent zurückhaltend, der Band könnte fast ab 16 durchgehen, doch zum Ende hin wird es noch mal derb. So wie man es eben aus den Crossed Universum kennt. Zu Beginn des Bandes treffen die junge Archivarin und ihre Gruppe nur selten auf Infizierte. Der Fokus liegt klar und deutlich auf Charakterentwicklung und dem Aufbau einer spannenden Storyline.
Gegen Ende des Bandes wird die Gewalt derb und der Leser empfindet wieder dieses gewohnte Ekelgefühl bei einigen Szenen. Einige Rückblenden und der Showdown sind recht intensiv geworden, was Handlung und Zeichnungen betrifft.
Größter Kritikpunkt ist zugleich auch die größte Herausforderung an diesem Band bzw. wenn es so weitergeht an der gesamten Reihe.
Die Sprache der Protagonisten ist mehr als postapokalyptisch. Ich kann ja nachvollziehen, dass man viele Jahre nach unserer Zeit anders spricht, aber das was dem Leser hier zu Beginn (wenn er diese Art von Sprache noch nicht kennt, so wie ich überhaupt nicht damit gerechnet habe) zugemutet wird, ist schon schwierige Kost. Ich habe mich erst sehr spät an die Sprache der Protagonisten in dieser Welt gewöhnt und ich gebe zu, alle Wörter, alle Sätze, teilweise den Sinn eines Satzes, konnte ich manchmal nicht nachvollziehen.
Ich weiß immer noch nicht was dieses Wort AFAWK bedeutet.
Wenn man sich an die Ausdrucksweise in diesem Band erst einmal gewöhnt hat, was wirklich nicht einfach ist, dann dudelt der Band im Grunde recht lange erst einmal vor sich hin.
Zu Beginn werden die Charaktere eingeführt, die Gruppe um Future Taylor fährt mit dem Bus/Zug durch die Gegend um Gebiete von möglicherweise anwesenden Infizierten zu moppen und archiviert entsprechend altes Zeugs aus der damaligen Zeit. So verhält es sich eine gewisse Zeit, ehe die Siedlungen vorgestellt werden. In der Siedlung ist Future Taylor und ihre Gruppe zu Hause. Es gibt auch noch andere Siedlungen, Kontakt besteht eher sporadisch.
Im Grunde geschieht gar nicht so viel, es ist alles recht interessant zu lesen, aber noch nicht wirklich spannend. Erst gegen Ende, als der Leser den Zusammenhang erkennt, die Stimmung der anfänglichen Routine anfängt zu kippen, da bricht der Sturm los. Plötzlich dämmert es dem Leser. Das Feuerwerk kann gezündet werden und es explodiert wahrhaftig in Chaos.
Das Finale hat es in sich.

Folgendes Youtube Video gibt dem Leser einen spanischen Einblick über Zeichnungen und Atmosphäre.

Der Leser hat an diesem Band also zwei Herausforderungen.

Zum einen die Sprache der Protagonisten und zum anderen die Handlung, die wirklich langsam wächst, langsam voranschreitet und langsam gekonnt intensiv Spannung beim Leser aufbaut.
Natürlich darf man den Gewaltgrad nicht unterschätzen, aber mittlerweile dürfte jeder Crossed Leser Wissen, womit er es in diesen Bänden zu tun bekommt.
Ich muss aber ehrlich gestehen, es gibt weitaus krassere Gewaltszenen in einigen Crossed Ausgaben als in dieser hier, wobei die Gewalt in diesem Band durch die verdichtete Story um einiges intensiver dem Leser erscheinen könnte.

Die Aufmachung dieser Softcover Ausgabe ist gelungen.
Die erste Seite stellt den Zeichner und den Autor vor. Informationen zur Person Alan Moore und zum Zeichner Gabriel Andrade.
Die darauffolgenden zwei Seiten berichten kurz über Crossed und Crossed + Einhundert.
Diese Art von Einführung gefällt mir sehr gut, ehe die Geschichte startet.
Im Bonusteil findet der Leser von Alan Moore ein paar Worte über Future Taylor und Bleistift und Tuschezeichnungen im Vergleich einander gegenübergestellt.

Im Folgenden ein paar Sätze aus dem Comic, damit ihr nachvollziehen könnt, was ich mit postapokalyptischer Sprache meine.
Interessant in diesem Zusammenhang finde ich die Anmerkung des Übersetzers, scheinbar hat auch dieser seine Schwierigkeiten mit der Übersetzung in die deutsche Sprache gehabt (was absolut nachzuvollziehen scheint).
Es scheint mir so, dass oftmals englische Ausdrücke, deutsche Ausdrücke und Slang Sprache gemischt worden sind. Was dabei herausgekommen ist, das zitiere ich nun:

„Verletzt, nein ich hirne nicht ..
Ho-ho, das, oh, Braun, das ist Rückspritz.
Das stimmt wahr. Wir kicken nach Murfreesboro, rekrutieren Slems, um Infizierte zu Fegen. Und wir sind ohne Radionet. Nicht AFAWK, aber AFAWK kriegte uns getotet, neulich.
Mhh, hatte nicht gehirnt, das meine peoples angekrätzt sind wegen mir. Fuck musste wieder weg, möglich.

Ich will fuck vorbei am Atombraun vorm Dunkel.
Sex. Sex, ich hab fast gebraunt.“

In diesem Sinne, der gesamte Band ist in dieser Sprache und Ausdrucksweise.
Ich finde, es ist wie gesagt eine Herausforderung auf die der Leser sich definitiv einlassen MUSS.

Fällt es dem Leser schwer sich auf dieses sprachliche Niveau zu begeben, so wird dieser Band keine leichte Spazierfahrt werden.
Bei mir hat es erst nach der Hälfte gefunkt. Bis dahin habe ich ernsthaft überlegt, ob ich mir das antun soll.
Aber nach der Hälfte fing auch die Routine an, ich dachte es passiert kaum mehr als immer das Gleiche irgendwie.
Plötzlich dann gegen Schluss hat mich der Band absolut überzeugen können.
Sobald die ersten Zusammenhänge klar werden, rockt der Band.

Ich denke, ich bleibe am Ball.

Viel Spass mit Crossed + Einhundert.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2015 Avatar Press / Panini

Crossed + Einhundert gibt es im Softcover und im Hardcover Format in jedem gut sortierten Comicfachgeschäft oder direkt beim Verlag.

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