Asterix Review Special (33): Gallien in Gefahr

Weihnachten steht kurz vor der Tür und da befasst man sich gewöhnlich mit den schönen Dingen im Leben. Manchmal gibt es aber auch Dinge, an denen sich die Geister scheiden. Manchen gefällt es, anderen wieder nicht. Geschmäcker sind eben verschieden und genau wie an Weihnachten bekommt man manchmal nicht das, was man sich wünscht, oder wird so richtig schön überrascht. Was ich mit dieser Einleitung sagen will?
Mit diesem Asterix-Band verhält es sich ebenso. Und was er noch mit Weihnachten gemein hat, ist die große Vorfreude, die der Band schürte, genauso wie es an Weihnachten für die Kinder ist.

Mit großer Spannung wird der 33. Asterix Band im Jahr 2005 erwartet und wie üblich wird mit Informationen recht sparsam umgegangen. Wenn da nicht dieses Interview im Stern vom 9. Juni 2004 gewesen wäre, in dem Albert Uderzo auf die Aussage „Sie haben Asterix damals europäischen Gegenentwurf zu den amerikanischen Superhelden konstruiert. Die Idee ist aktuell wie nie!“ mit „In einer ganz besonderen Form könnte das der Inhalt meines nächsten Buches sein…“ antwortete. Doch damals konnte noch keiner ahnen, wie sehr Uderzo hier bereits aus dem Nähkästchen plauderte.
Konkreter wurde es dann am 22. September 2005 in Brüssel, als mit „Le Ciel lui tombe sur la Tête“ der Titel des neuesten Abenteuers verkündet wurde. Gleichzeitig wurde auch die Ausstellung „Le Monde Miroir d’Asterix“ eröffnet, welche nie da gewesene Einblicke in das gallische Universum ermöglichte und zeitgleich das 60. Berufsjubiläum von Uderzo gefeiert wurde.

Doch es gab noch weitaus mehr. Zwei Flugzeuge wurden mit Asterix-Motiven dekoriert. Von der belgischen Post gab es Asterix Postkarten (wie auch in diesem Jahr zum 36. Band von der Deutschen Post) und es erschien außerdem eine offizielle Asterix-Medaille. Zudem präsentierte sich das kleine Manneken-Pis im Zentrum der Stadt im Beinkleid von Obelix, der Grand Place in Brüssel wurde in ein gallisches Dorf verwandelt und das Stadtbild wurde mit einer knapp 10 x 20 Meter großen Asterix-Wandmalerei verziert.
Aber damit immer noch nicht genug. Die Redaktion der Zeitung „Le Figaro“ begleitet dieses Großereignis am 11. Oktober 2005 mit der Sonderausgabe „Asterix l’irreductible“. Auf 130 Seiten gibt es Analysen und vieles mehr zu bewundern.

Am 14. Oktober 2005 ist es dann endlich soweit. Der 33. Band erscheint zeitgleich in 27 Ländern mit einer Gesamtstartauflage von 8 Millionen Exemplaren, wovon alleine 2,8 Millionen auf die deutsche Ausgabe entfallen. Noch einen Schritt weiter geht man bei Les Éditions Albert René mit der französischen Ausgabe. Alle 3 178 000 Exemplare der Startauflage wurden durchnummeriert. Parallel zur Startauflage erscheint zusätzlich eine Luxusausgabe, welche erneut Einblicke in die Arbeit des Künstlers Albert Uderzo gibt und, neben den Bleistiftskizzen zu jeder einzelnen Seite, weiteres Hintergrundmaterial enthält.

Gallien in Gefahr
[Egmont, Oktober 2005]

Eigentlich wollten Asterix und Obelix nur auf Wildschweinjagd gehen. Doch sämtliche Tiere im Wald sind wie erstarrt. Selbst das Dorf der beiden Gallier ist bei deren Rückkehr wie eingefroren. Nur Miraculix, Asterix, Obelix und Idefix sind nicht betroffen und schnell zeigt sich, dass er Zaubertrank daran Schuld trägt. Obelix ist dank seines Unfalls sowieso bestens geschützt, Miraculix kostet regelmäßig bei der Zubereitung, Asterix hat vor der Jagd einen Schluck genommen und auch Idefix erhält von Obelix immer wieder ein paar Schlucke davon. Und plötzlich taucht die Ursache für dieses Chaos auf. Ein merkwürdiger kleiner Außerirdischer vom Planeten Tadsylweni, der in einer großen Metallkugel angereist ist, um die mächtige Geheimwaffe der Gallier in Besitz zu nehmen. Doch wo ein Außerirdischer ist, da ist ein Zweiter nicht weit und so taucht ein Gegner vom Planeten Nagma auf, der ebenfalls hinter dem Zaubertrank her ist. Nun liegt es an Asterix, Obelix und Miraculix das Schlimmste zu verhindern und den beiden „Besuchern“ den Weg nach Hause zu zeigen …

Alles steht still…

Hat man den Band erst einmal durchgelesen, bleibt man ziemlich ernüchtert zurück, mit der Frage, was sich Albert Uderzo hierbei gedacht hat. Doch liest man das Abenteuer ein zweites oder drittes Mal, auch mit einigem an Hintergrundwissen, dann ergibt sich ein, zumindest für mich, komplett neues Bild. Dies beginnt schon mit der Verwendung der Anagramme. Nur für den Fall, dass ihr es nicht bemerkt habt, versteckt sich hinter Tadsylweni der berühmte Walt Disney, der Uderzo bereits in jungen Jahren sehr geprägt hat, und deren Gegner die Nagma vom Planeten Gmana, die wiederum für die japanischen Manga stehen. Uderzo hat hier also ganz bewusst die beiden Konkurrenten zu europäischen, insbesondere dem frankobelgischen Comic, die amerikanischen Superhelden und den japanischen Manga auserkoren. Was in der Grundidee sehr gut klingt und in den Ansätzen auch durchaus ansprechend ausgearbeitet ist, verkommt jedoch schnell zu einer oberflächlichen Aneinanderreihung von Klischees und der dumpfen Darstellung von Uderzos eigener Meinung. Denn laut dessen Meinung sind US-Superhelden immer nur Kopien und vollkommen austauschbar, während sämtliche Manga böse und zurückgeblieben sind. Zumindest wenn man sich seine Charakterisierung der dafür verwendeten Figuren ansieht. Nur an Disney wagt sich Uderzo nicht heran. Für ihn wohl eine Art Heiliger Gral, charakterisiert er den Tadsylwenier Tuun, als immer freundlichen, hilfsbereiten und cleveren Freund der dennoch überlegenen Gallier, die über die Manga und die US-Superhelden triumphieren.

Manga gegen Superhelden

So durchwachsen wie die Handlung, sind die Zeichnungen zum Glück nicht. Schon alleine das Cover ist eine gelungene Hommage an den ersten Band „Asterix der Gallier“ und auch das Figurendesign von Tadsylwenier Tuun und seinen Superheldenklon Shwor-zi, welcher ganz klar an den weltbekannten Bodybuilder und Schauspieler Arnold Schwarzenegger und die brühmte Comicfigur Superman angelehnt ist, zeigen deutlich, worauf Uderzo hinaus will. Tuun ist schon beim ersten Blick als eine mögliche Disneyfigur zu erkennen, sofern man sich auf den klassischen, von Walt Disney geprägten Stil beruft. Inzwischen sind auch die Disneystudios, egal ob im Print- oder Filmbereich, wesentlich abwechslungsreicher geworden. Auch der Superheldenklon hat gelungene Anzeichen der bekannten US-Superhelden aufzuweisen, lässt aber eine deutlichere visuelle Charakterisierung vermissen, auch wenn Tuun hier davon spricht, ihn wahlweise als Spinnenklon (Spider-Man) oder Fledermausklon (Batman) neu zu erschaffen. Hier hätte ich mir persönlich etwas mehr Feinschliff gewünscht. Gänzlich misslungen finde ich hingegen das Design des Nagmas. Einzig sein Schiff und seine Roboterflotte, die Magnuds (eine Anspielung auf Gundam), haben kleinere Einschläge von Mangaelementen vorzuweisen. Der Nagma selbst sieht aus wie ein Insekt und eine Mischung aus bekannten Bösewichten vergangener Asterix-Abenteuer wie Pyradonis, Schraubzieris (beide aus „Asterix und Kleopatra“) und Daisayah (aus „Asterix im Morgenland“) und nicht wie eine typische Mangafigur.

Ja wie denn nun. Ist das eine Mangafigur?

Bevor ich nun jedoch zu meinem finalen Statement zu diesem Band komme, noch der Hinweis auf ein paar kleine Anspielungen, welche sich am Ende des Bandes befinden. Tuuns Aussage „Möge der Trank mit euch sein“ spielt sehr deutlich auf „Star Wars“ an, während wenige Seiten später Asterix mit „Als Mann in Schwarz kannst du auch Nagmas jagen den „Men in Black“ seine Ehre erweist. Das finale Zitat stammt dann schließlich von Miraculix, der mit „Die Antwort ist irgendwo da draußen, Asterix.“ den X-Akten gedenkt.
Wie ihr merkt, scheidet der Band die Geister. Viele finden ihn furchtbar und auch unter den hartgesottensten Fans ist es der schlechteste band überhaupt. Ich persönlich finde, dass er durchaus gute Ansätze hat, und auch die Grundidee ist sehr spannend, aber wie immer krankt es letztendlich an der Umsetzung und daran, die Qualität über die gesamte Länge zu halten. Das jedoch ist ein allgemeines Problem bei Uderzos Abenteuern, wenngleich man durchaus merkt, dass er bei diesem Abenteuer schon recht müde war.

Auf andere Organismen wirkt der Zaubertrank leider unterschiedlich.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2003-2015 Les Edition Albert/René / Egmont

Die bisherigen Review-Specials:

  1. Asterix der Gallier
  2. Die goldene Sichel
  3. Asterix und die Goten
  4. Asterix als Gladiator
  5. Tour de France
  6. Asterix und Kleopatra
  7. Der Kampf der Häuptlinge
  8. Asterix bei den Briten
  9. Asterix und die Normannen
  10. Asterix als Legionär
  11. Asterix und der Avernerschild
  12. Asterix bei den Olympischen Spielen
  13. Asterix und der Kupferkessel
  14. Asterix in Spanien
  15. Streit um Asterix
  16. Asterix bei den Schweizern
  17. Die Trabantenstadt
  18. Die Lorbeeren des Cäsar
  19. Der Seher
  20. Asterix auf Korsika
  21. Das Geschenk Cäsars
  22. Die grosse Überfahrt
  23. Obelix GmbH & Co. KG
  24. Asterix bei den Belgiern
  25. Der grosse Graben
  26. Die Odyssee
  27. Der Sohn des Asterix
  28. Asterix im Morgenland
  29. Asterix und Maestria
  30. Obelix auf Kreuzfahrt
  31. Asterix und Latraviata
  32. Asterix plaudert aus der Schule

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