Asterix Review Special (31): Asterix und Latraviata

Wie schon die letzten Asterix Review Specials, beginne ich auch dieses mit einer Zahl. 8 Millionen Exemplare beträgt nämlich die europaweite Startauflage des 31. Asterix-Abenteuers, welches am 14. März 2001 veröffentlicht wird. Davon entfallen alleine auf die französische Fassung 3 Millionen Exemplare, während Deutschland „nur“ mit 2,6 Millionen startet, wovon 200.000 als kartonierte Ausgabe für den Buchhandel bestimmt sind. Aber bereits vor dem offiziellen Verkaufsdatum wird der Band nachgedruckt, da die Nachfrage die geplante Menge übersteigt.

Egal wie man es nun betrachtet, sind es erstaunliche Zahlen, wenn man bedenkt, das „Astérix le Gaulois“ 1961 mit einer Auflage von gerade einmal 6000 Exemplaren an den Start ging. Bis 2005 wuchs dies auf über 300 Millionen verkaufte Asterix-Alben in unglaublichen 107 Sprachen (und Dialekten) an und das neue Team um Didier Conrad und Jean-Yves Ferri setzen die Erfolgsgeschichte aktuell fort. Doch schon 2001 wusste man, wie man den Erfolg von Asterix mit Zahlen und Fakten untermauert. Das französische Magazin Pèlerin veröffentlichte im März 2001 eine repräsentative Umfrage, nach der 53% der befragten Personen Asterix als ihren Lieblings-Comichelden bezeichnen. Schon 1999 gab es eine Marktuntersuchung über die Beliebtheit des kleinen Galliers. Dabei gaben 94% im Alter von 4 bis 17 Jahren, 90% im Alter von 18 bis 24 Jahren, 92% im Alter von 25 bis 49 Jahren und immer noch 86% im Alter von 50 bis 70 Jahren an, Asterix zu lieben.

1999 markiert auch sonst ein erfolgreiches Jahr in Sachen Asterix. Immerhin war es der 40. Jahrestag des ersten Asterix-Abenteuers, welches ab dem 21. Oktober 1959 im französischen Jugendmagazin „Pilote“ erschien. Aus diesem Anlass veröffentlichte Ehapa „Das große Asterix-Lexikon“, in dem auf 368 Seiten fast 1500 Begriffe von A wie Alesia bis Z wie Zenturio vorgestellt und erklärt werden. In Frankreich begeht man dieses Jubiläum wird der Veröffentlichung von „Le livre d´Asterix le Gaulois“. Hier werden auf 144 Bildseiten die wesentlichen Erscheinungsformen des gallischen Daseins auf humorvolle Weise dargebracht. Die deutsche Fassung dieses Bandes erschien im Oktober 2000 unter dem Titel „Asterix: Das Kultbuch“ (dem ich mich in einem späteren Reviewspecial, wie auch dem Asterix-Lexikon ebenfalls, widmen werde).

Oben das alte Layout (Original) und das Neue (deutsche Ausgaben).

Bereits ein Jahr zuvor, 1998, wurden sämtliche bis dato erschienenen Asterix-Bände nach dem langjährigen und erfolgreichen Rechtsstreit über die ersten 24 Alben zwischen Dargaud und Albert René einer Neugestaltung unterzogen, bevor diese dann 1999 endgültig im Verlagshaus Hachette erneut veröffentlicht wurden. Der bekannte breite weiße Balken auf dem Cover wurde verkleinert. Er beinhaltete ab sofort nur noch drei Namen. Den des titelgebenden Helden und die seiner beiden geistigen Väter. Der eigentliche Titel des Bandes wurde nun mit in das Covermotiv eingefügt. Diese gestalterische Veränderung übernahm wenig später auch der Ehapa Verlag für die deutschen Ausgaben.

Vom Entwurf bis zur fertigen Sonntagsbeilage.

Wie man es letztendlich auch dreht und wendet. Das neue Abenteuer sorgte bereits vor seiner Veröffentlichung für einiges an Wirbel. Dazu gehörte unter anderem auch eine 24-seitige Sonntagsbeilage der Zeitung „Ouest“ die am 28. Januar 2001 erschien und die bis zu diesem Zeitpunkt bekannte Comichistorie beleuchtet. Schon auf dem Cover der Beilage wird provokativ mit dem Ausspruch „Astérix et Obélix se mettent sur leur XXXI pour aller à Condate!“ was frei übersetzt soviel heißt wie: „Asterix und Obelix bereiten sich auf ihr 31. Abenteuer vor!“ geworben. Und diesem Abenteuer möchte ich mich nun im Review widmen:

Asterix und Latraviata
[Egmont, März 2001]

Asterix und Obelix haben Geburtstag und zur Feier des Tages hat das gesamte Dorf die Mütter der beiden gallischen Helden eingeladen. Diese denken jedoch nur daran, ihre beiden Söhne unter die Haube zu bringen, was denen jedoch so überhaupt nicht zusagt. Als Geschenke haben die beiden einen wertvollen römischen Helm und ein nicht minder wertvolles römisches Schwert mitgebracht, welche ein betrunkener römischer Legionär im Antiquitätengeschäft von Asterix‘ und Obelix‘ Vater gegen ein wenig Geld eingetauscht hatte. Dummerweise sind diese beiden Gegenstände Beweisstücke zu einem Hinterhalt gegen Cäsar und deshalb sehr begehrt, was die beiden Väter auch recht bald zu spüren bekommen. Der römische Verräter Pompejus hingegen versucht mit einer Schauspielerin, welche sich als Falballa, Obelix große und unerwiderte Liebe, ausgibt an die wertvollen Schmuckstücke zu kommen. Doch die Mütter der beiden gallischen Junggesellen kann die Falballa-Kopie nicht so einfach überzeugen …

Da freuen sich aber Asterix und Obelix.

Die Grundidee für dieses Abenteuer ist ehrlich gesagt gar nicht einmal so schlecht. Jedoch verliert es, wie auch schon die vorangegangenen Bände zum Ende hin immer weiter an Spannung und dies wird durch eine grauenhafte deutsche Übersetzung, die versucht pseudowitzig zu sein, noch weiter verstärkt. Sätze wie „Hol mir mal ’ne Flasche Bier!“ und „Das verleiht Flügel!“ sind zwar durchaus bekannt, aber nicht wirklich witzig, und erst recht nicht in Verbindung mit Asterix. Gleiches gilt für die Einbindung englischer Wort, oder englischklingender deutscher Worte (sogenanntes Denglisch), das in diesem Band ebenfalls zum Einsatz kommt. Wurden die bisherigen Abenteuer noch von Gudrun Penndorf übersetzt, ist seit dem 30. Band Michael F. Walz als Übersetzer tätig, was der leider schon sinkenden Qualität durch Albert Uderzo zusätzlich abträglich ist.

Die falsche Falballa trifft im Dorf ein.

Leider ist der ganze Band mit irgendwelchen Werbeslogans gespickt, sodass man meinen könnte, der Übersetzter hätte vorrangig nachts gearbeitet vor einem eingeschalteten Fernseher mit Dauerwerbesendungen. Egal ob Snickers, Yello Strom, E-Plus, Persil, Klosterfrau Melissengeist oder Ritter Sport, und viele weitere, die Übersetzung ist einfach nur grauenhaft. Da hilft es auch nichts, dass Michael F. Walz sich an durchaus gelungenen Songtexten wie Die Ärzte „Du hast recht, Asterix! Manchmal, aber nur manchmal haben die Römer ein kleines bisschen Haue gern!“ oder Herbert Grönemeyer „… hab Flugsteine in meinem Bauch!“ bedient. Damit rettet er diese Arbeit leider auch nicht mehr. Selbst damals namhafte Politiker wie Guido Westerwelle oder Angela Merkel werden gnadenlos verheizt, genauso wie der bereits weiter oben zitierte Gerhard Schröder.

Wertvolle Geschenke für die Söhne.

Optisch legt sich Uderzo erneut mächtig ins Zeug, lässt aber nach wie vor gewisse Feinheiten aus früheren Bänden vermissen. Dennoch gibt es einige visuelle Gags, die zum Glück nicht der furchtbaren deutschen Übersetzung zum Opfer fielen, die das eine oder andere Mal ein Schmunzeln hervorbringen. Gerade die Szene in der Asterix frisch gestylt von seiner Mutter mit lockigen Haaren und Obelix mit offener „Mähne“ aufeinandertreffen ist einfach zu köstlich. Auch die Gestaltung der beiden Elternteile von Asterix und Obelix sind gelungen interpretiert, sodass schon eine große Familienähnlichkeit zu erkennen ist.

Asterix und Obelix mit neuer Haarpracht.

Leider gibt es im gesamten Band zu wenig von solch gelungenen Szenen, wodurch letztendlich nur ein guter Versuch mit vielen vergebenen Chancen übrig bleibt. Dies verstärkt sich leider auch noch durch gewisse Unstimmigkeiten mit früheren Bänden, wie zum Beispiel aus „Obelix GmbH & Co. KG“ wo auf den Eröffnungsseiten nur der Geburtstag von Obelix gefeiert wird. Die Ursache hierfür liegt in der 1994 erschienenen 4-seitigen Kurzgeschichte „35 Jahre vor Julius Cäsar“ (unter anderem enthalten in „Asterix plaudert aus der Schule“ (nachträglich zu Band 32 ernannt) und in einem der nächsten, vielleicht auch schon DEM nächsten Review Special, zu finden), in der erklärt wird, dass Asterix und Obelix „am gleichen Tag, zur gleichen Stunde geboren“ wurden. Das ist nur ein Widerspruch.

Diese beiden sind unverkennbar die Väter von Asterix und Obelix.

Einen weiteren liefert Uderzo selbst mit seiner Aussage „Ich für meinen Teil weiß genau, wenn die Qualität nachlässt, folgt mir das Publikum nicht länger. Im Übrigen denke ich aber, falls das eintreten sollte, dann höre ich auf. Ich glaube, es ist nur klug, nicht länger auf etwas zu bestehen, wenn dies am Geschmack des Publikums vorbeigeht.“, von der wir inzwischen wissen, dass er diesen Punkt mit „Gallien in Gefahr“, dem ich mich auch in einem späteren Special widmen werde, lange überschritten hat.

Eine der wenigen wirklich komischen Szenen, die inzwischen zum Running Gag wurden.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2001-2015 Les Edition Albert/René / Egmont

Die bisherigen Review-Specials:

  1. Asterix der Gallier
  2. Die goldene Sichel
  3. Asterix und die Goten
  4. Asterix als Gladiator
  5. Tour de France
  6. Asterix und Kleopatra
  7. Der Kampf der Häuptlinge
  8. Asterix bei den Briten
  9. Asterix und die Normannen
  10. Asterix als Legionär
  11. Asterix und der Avernerschild
  12. Asterix bei den Olympischen Spielen
  13. Asterix und der Kupferkessel
  14. Asterix in Spanien
  15. Streit um Asterix
  16. Asterix bei den Schweizern
  17. Die Trabantenstadt
  18. Die Lorbeeren des Cäsar
  19. Der Seher
  20. Asterix auf Korsika
  21. Das Geschenk Cäsars
  22. Die grosse Überfahrt
  23. Obelix GmbH & Co. KG
  24. Asterix bei den Belgiern
  25. Der grosse Graben
  26. Die Odyssee
  27. Der Sohn des Asterix
  28. Asterix im Morgenland
  29. Asterix und Maestria
  30. Obelix auf Kreuzfahrt

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