Asterix Review Special (30): Obelix auf Kreuzfahrt

Auf die Plätze, fertig los …“

Mit diesen Worten wurde der neueste Asterix-Band, der in Deutschland unter dem Titel „Obelix auf Kreuzfahrt“ mit einer Startauflage von unbeschreiblichen 2,8 Millionen Exemplaren erschien, beworben. Schon kurz zuvor rührte der Ehapa Verlag kräftig die Werbetrommel. Ganzseitige Anzeigen mit Texten wie: „Bald kommt er… Der neue Asterix Band 30… Am 10. Oktober 1996 ist es soweit“, sollen die Fans auf das Comic-Spektakel des Jahres einstimmen. Wie schon bei den vorangegangenen Bänden erscheint Band 30 europaweit gleichzeitig in den jeweiligen Sprachfassungen, wobei die Gesamtauflage für Europa 6 Millionen Exemplare umfasst. Dass alleine der deutsche Sprachraum mit 2,8 Millionen, also knapp der Hälfte der Gesamtauflage und somit erneut mit großem Vorsprung vor der französischen Originalfassung bedacht wird, zeigt, wie groß die Fangemeinde in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz inzwischen ist.

Die französische Luxusausgabe

Andererseits zählt in diese Startauflage nicht die zeitgleich in Frankreich erschienene einmalige Luxusausgabe hinein, die erstmals überhaupt zu einem Asterix-Band erscheint. Im Querformat mit den Maßen 42 x 29 cm und einer Auflage von nur 450 Exemplaren entführt das Buch den Betrachter nicht nur in die Geschichte, sondern gibt zusätzlich Informationen rund um den gesamten kreativen Entstehungsprozess zu „La galére d’obèlix“. Dazu zählen neben zahlreichen Bleistiftskizzen und getuschten Reinzeichnungen in Originalgröße auch Skriptausschnitte und Informationen zu den verschiedensten Teilen des Bandes, an dem auch wie schon bei „Asterix und Maestria“ neben Albert Uderzo noch Frédéric Mébarki für die Tuschezeichnungen auch wieder Michael Janvier an der Schriftgestaltung tätig waren. Die Farbgebung unterstütze diesmal Thierry Mébarki und bei der Koordination half das Studio ETC…, wie es zumindest auf der Schmutztitelseite der französischen Ausgabe zu lesen ist.

Am Anfang waren es nur zwei, jetzt sind es schon vier und ein ganzes Studio …

Wie auch schon bei einigen Abenteuern zuvor widmet Albert Uderzo diesen Band zwei für ihn wichtigen Menschen. Der eine wäre sein Enkel Thomas und der andere ist niemand geringerer als der weltbekannte US-Schauspieler Kirk Douglas. Und dies hat auch einen ganz besonderen Grund. Denn Kirk Douglas erhält die Ehre eines Gastauftrittes in diesem Band, als der unbeugsame Spartakis. Wieso auch nicht, immerhin verkörperte Douglas den thrakischen Sklaven und Anführer des Sklavenaufstandes, Spartacus, in Stanley Kubricks gleichnamigen Meisterwerk „Spartacus“ aus dem Jahre 1960.

Kirk Douglas als Spartakis mit seinen Sklavenfreunden und aus Stanely Kubricks Spartacus

Das sie jetzt anders aussieht versteht Kleopatra auch nicht

Bevor ich jetzt aber endgültig mit dem eigentlichen Review loslege, hier noch zwei Kleinigkeiten, sozusagen „unnützes Wissen“ zu diesem Band. „Obelix auf Kreuzfahrt“ ist der erste Band, in dem die Piraten bei ihren Namen genannt werden. Außerdem erlebt die unsagbar schöne Kleopatra eine veränderte Darstellung, bei der nicht nur ihre Haut ein wenig dunkler erscheint, sondern auch ihre Nase nicht mehr ganz so „dominant“ ist, wie es noch bei „Asterix und Kleopatra“ der Fall war.

Kleiner Fehler mit großer Wirkung

Zu guter Letzt gibt es noch einen kleinen Übersetzungsfehler. Im Verlauf des Abenteuers verwandelt sich Obelix in ein Kleinkind und macht dabei mit lautstarkem „Rabäh, Rabäh, Rabäh“ auf sich aufmerksam. Allerdings nur in der deutschen Fassung. Denn zeitgleich mit dem „Rabäh“ folgt ein typischer Obelix-Ausruf: „Ich habe Hunger“, was an sich schon merkwürdig ist, da er wohl kaum schreien und sprechen kann. Wenn man sich aber die Originalfassung anschaut, dann wird einem klar, dass hier nicht Obelix schreit, sondern Idefix bellt. Hier steht nämlich „Ouah, Ouah, Ouah“ was übersetzt eigentlich Hundegebell, also „Wuff, Wuff, Wuff“, wäre, aber vom zuständigen Übersetzer wohl mit „Ouin!“ verwechselt wurde, was die korrekte Übersetzung für „Rabäh“ wäre.

Obelix auf Kreuzfahrt
[Egmont, Oktober 1996]

Ein paar Sklaven haben unter der Führung des Griechen Spartakis Cäsars Galeere „ausgeliehen“ und wollen damit in die Freiheit segeln. Natürlich kann der große Heerführer und Regent dies nicht auf sich sitzen lassen und schickt seine Legion los um die Galeere zurückzuholen. Doch die Sklaven haben eigene Pläne. Sie wollen Zuflucht im kleinen gallischen Dorf suchen, welches schon seit langer Zeit Widerstand gegen die römischen Besetzer leistet. Kaum angekommen sichern die Gallier den Sklaven ihre Hilfe zu und um dies zu schaffen braut der Druide Miraculix diesmal sogar zwei Kessel seines Zaubertrankes. Letzten Endes wird aber nur einer wirklich gebraucht und über den Zweiten macht sich der frustrierte Obelix her, der wie so oft nichts von dem Krafttrank abbekommen hat. Das Ergebnis ist, dass Obelix zu Stein erstarrt ist und nun guter Rat teuer ist. Aber Miraculix gibt sein Bestes und schafft es Obelix aus der Versteinerung zu lösen. Allerdings hat dies auch Nebenwirkungen, in der Form, dass Obelix nun ein Kleinkind ist. Die letzte Hoffnung liegt nun in Atlantis, da dort ein Zauberer mit weitaus mehr Wissen lebt, als es Miraculix besitzt. Gemeinsam mit den Sklaven und Cäsars Galeere machen sich die Gallier auf den Weg Obelix seine ursprüngliche Gestalt zurückzugeben …

Mit dem Galeerendiebstahl der Sklaven fängt alles an

Was Albert Uderzo diesmal abliefert, ist leider nicht mehr als eine unterhaltsame Geschichte mit vielen kleinen persönlichen Anspielungen, der es merklich am Tiefgang und hintergründigen Humor der frühen Goscinny-Ausgaben fehlt. Die zu Beginn durchaus spannende Idee, was passiert, wenn Obelix trotz seiner Vorgeschichte erneut von dem Zaubertrank nascht und in diesem Fall sogar ein Schlückchen zu viel, endet in einer belanglosen Reisegeschichte, die erst ab der Mitte beginnt und für die Handlung nicht wirklich relevant ist. Hinzu kommt, dass die Auswirkungen des Zaubertrankes bei zwei Personen, mit unterschiedlichen Voraussetzungen, die gleichen Folgen nach sich zieht, was für die Glaubwürdigkeit einen Nachtteil darstellt. Es sei denn, man legt die Tatsache zugrunde, dass zu viel Zaubertrankgenuss zu Versteinerung führt.
Zeichnerisch gibt es da weitaus weniger auszusetzen, obwohl der Detailreichtum auch von band zu Band sinkt, und Uderzo von seiner visuellen Genialität und Innovation inzwischen leider meilenweit entfernt ist. Man denke nur an die mit seinen Fingern getupften Wolken in „Die große Überfahrt“. Zwar gibt es auch in diesem Band die eine oder andere Spitzfindigkeit und visuelle Gags, aber an die frühen gemeinsamen Bände reichen sie leider nicht mehr heran.

Auch Zaubertrank sollte man nur in Maßen genießen

Nach all der Kritik möchte ich es aber nicht versäumen euch dennoch mit ein paar Infos zu versorgen, wie ihr es inzwischen von den Asterix Review Specials gewohnt seid.

Jean-Paul Rouland als Priester und im Original

Neben dem bereits erwähnten Kirk Douglas schafft es ein weiterer Prominenter als Karikatur in diesen Band. Gemeint ist der französische Moderator Jean-Paul Rouland, der als Hoher Priester von Atlantis auftritt und sich fürsorglich um seine jungen Schützlinge kümmert. Und wo ich gerade bei Atlantis bin, der Hinweis, dass sich Uderzo bei der Umsetzung der mystischen und sagenumwobenen Stadt an der überlieferten Darstellung des griechischen Philosophen Platon orientiert. Dieser beschreibt, dass die Bauten aus verschiedenfarbigen Steinen zusammengesetzt wurden und mit Gold, Silber, Messing und Zinn, sowie dem rötlich schimmernden und nur dem Namen nach bekannten Erz Oreichalkos verziert waren. Des Weiteren baut Uderzo eine kleine Reminiszenz an den 1940 uraufgeführten Disney-Film „Fantasia“ ein. Eine Szene auf Atlantis, wo unter anderem ein geflügelter Stier auftritt, der von einer geflügelten Kuh mit deren ebenfalls geflügelten Kälbern verfolgt wird, spielt hierbei auf die Sequenz an, welche im antiken Griechenland spielt und von Beethovens 6. Sinfonie in F-Dur, OP. 68 „Pastorale“ untermalt wird.
Natürlich gibt es noch kleinere Anspielungen, welche ich jetzt hier nur kurz anreisen möchte. So spricht der gotische Sklave auf Cäsars Galeere mit seinen Worten „Keinen Führer mehr!“ davon, dass er keinen Anführer mehr haben möchte, und verweist somit ziemlich offensichtlich auf Adolf Hitler. Ebenfalls vom Goten kommt die Aussage „Den Wein aus Trier, den lob ich mir!“ und meint damit seinen geliebten süffigen Wein an der Mosel. Kurz vor Ende, wird auch der Admiral Aquis Submersus durch zu viel Zaubertrank versteinert. Als sein Vize-Admiral Prospectus ihn entdeckt entfährt ihm der Ausruf „Carrara“ Der hat sich glatt in Granit verwandelt!!!“ und verweist somit auf den weltbekannten Marmor aus Carrara. Eine letzte kleine Anspielung kommt aus dem Bereich Werbung. Als Asterix von Miraculix Zaubertrank verabreicht bekommt, geschieht dies mit den Worten „Ein Schlückchen Zaubertrank von Papi Miraculix und das gibt sich wieder!“, wobei hier gewisse Parallelen zur Miracoli-Werbung erkennbar sind, in denen Mamma Miracoli für das leibliche Wohl der gesamten Familie zuständig ist.

Aussichten auf das sagenumwobene Atlantis

Leider bleibt auch dieser Band hinter der Qualität der früheren Abenteuer zurück und dies, obwohl sich die Produktionszeiten mit jedem neuen Band, und trotz der Unterstützung von verschiedensten Seiten, immer weiter verlängert. So richtig verständlich ist das irgendwie nicht und mehr als die reine Unterhaltung bleibt trotz guter Ansätze und einem ziemlich niedlichen kleinen Obelix vom 30. Asterix-Band nicht übrig, was leider sehr schade ist.

Obelix findet zu seiner alten Form zurück

Copyright aller verwendeten Bilder © 1996-2015 Les Edition Albert/René / Egmont

Die bisherigen Review-Specials:

  1. Asterix der Gallier
  2. Die goldene Sichel
  3. Asterix und die Goten
  4. Asterix als Gladiator
  5. Tour de France
  6. Asterix und Kleopatra
  7. Der Kampf der Häuptlinge
  8. Asterix bei den Briten
  9. Asterix und die Normannen
  10. Asterix als Legionär
  11. Asterix und der Avernerschild
  12. Asterix bei den Olympischen Spielen
  13. Asterix und der Kupferkessel
  14. Asterix in Spanien
  15. Streit um Asterix
  16. Asterix bei den Schweizern
  17. Die Trabantenstadt
  18. Die Lorbeeren des Cäsar
  19. Der Seher
  20. Asterix auf Korsika
  21. Das Geschenk Cäsars
  22. Die grosse Überfahrt
  23. Obelix GmbH & Co. KG
  24. Asterix bei den Belgiern
  25. Der grosse Graben
  26. Die Odyssee
  27. Der Sohn des Asterix
  28. Asterix im Morgenland
  29. Asterix und Maestria

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2 Kommentare zu “Asterix Review Special (30): Obelix auf Kreuzfahrt

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