Asterix Review Special (10): Asterix als Legionär

Die große Ankündigung.

Es ist der 3. November 1966 und auf der letzten Seite von Pilote 367 kündigt sich das neue Abenteuer von Asterix an. Nur eine Woche später ziert das Cover der neuen Pilote-Ausgabe eine erweiterte Fassung, in der ein sichtlich mitgenommener Asterix seinen Flügelhelm geschultert hat, während hinter ihm sein treuer Freund Obelix liebestrunken an Falbala denkt. Nach nur zwanzig Ausgaben ist das Abenteuer im April 1967 zu Ende erzählt und erfährt noch im selben Jahr eine Veröffentlichung als Album bei Dargaud.

In Pilote 368 geht es endlich los.

Noch heute gilt „Asterix als Legionär“ als eines der besten Abenteuer, der beiden Gallier. Hier haben Goscinny und Uderzo eine Geschichte abgeliefert, welche sowohl den bekannten Humor und Charme mit historischen Fakten verbindet. Zum ersten Mal ist Obelix verliebt und dann verschlägt es sie, zusammen mit dem Briten Eftax, dem Goten Kriegmichnicht, dem Griechen Militaros, dem Ägypter Tennisplatzis und dem Belgier Mannekenpix nach Afrika. Wie auch in vorangegangenen Abenteuern scheuen sich die beiden geistigen Väter nicht, den einen oder anderen Gast, oder Anspielung unterzubringen. So ist Mannekenpix nicht nur an die brüsseler Statue „Mannekin Pis“ angelehnt, sondern kommt mit seiner Haarpracht auch gleich noch als visuelles Double für Hergés TinTin, alias Tim aus „Tim und Struppi“ daher. So ganz nebenbei mischen die beiden Helden auch gleich noch die römische Legion gehörig auf und werden dabei mit großer Regelmäßigkeit vom ägyptischen Tennisplatzis kommentiert, was die beiden Ausbilder Hotelterminus und Nixalsverdrus eine Menge Nerven kostet. Außerdem gelangt auch noch der französische Moderator und Autor mehrerer Filmbücher Pierre Tchernia, an der Seite von Cäsar, zu Ehren. Einige Jahre später sorgt dieser dann auch für das Drehbuch zum Animationsfilm „Asterix – Sieg über Cäsar“, welcher 1985 in die Kinos kommt.

Mit dem Latein ist das so eine Sache.

Auf die vielen lateinischen Anspielungen in Asterix, insbesondere in „Asterix als Legionär“, und seine dadurch großen Kenntnisse in Latein angesprochen, entgegnete Goscinny, dass er diese Zitate aus den rosa Seiten in Petit Larousse bezieht. Im Gegenteil, er erhalte sogar immer wieder Briefe, in denen auf diverse Lateinfehler hingewiesen würde. Neben Petit Larousse bediente sich Goscinny aber auch bei Moliéres „Der eingebildete Kranke“ und René Descartes „Principia Philosophiae“.
Aber neben den üblichen Lateinwortspielen findet sich auch eine Anspielung auf das Gemälde „Das Floß der Medusa“ von Théodore Géricault in diesem Band. Denn wie so oft in der Historie von Asterix, treffen die Gallier auch diesmal wieder auf die Piraten, welche aber diesmal nicht mit ihrem Boot untergehen, sondern auf einem Floß ihr Heil finden können. Während dies in der deutschen Fassung mit „…hen“ (als Abschluss auf den Ausruf „Fliehen“) übersetzt wurde, heißt es im Original „Je suis Médusé!“ („Ich bin sprachlos“).

Große Kunst, bei Asterix.

Aber auch in Deutschland zeigt sich dieses Abenteuer nur von seiner besten Seite, als es 1969 in den Ausgaben 4 bis 12 von MV zum Vorabdruck kam. Zwei Jahre später erschien es dann, auch dank der immer weiter steigenden Popularität von Asterix, als Großer Asterix-Band X mit einer Startauflage von damals unglaublichen 1 Million Exemplaren. Asterix als Legionär ist im übrigen auch die einzige Geschichte der Asterix-Reihe, welche einige Jahre später (1974/75) ein zweites Mal als Fortsetzungsgeschichte in MV abgedruckt wurde.

Asterix als Legionär
[1971, Egmont Ehapa]

Die Sonne scheint, und alles ist friedlich im schönen gallischen Dorf. Asterix und Obelix wollen gerade Wildschweine jagen gehen, als ihnen die wunderschöne Falbala begegnet. Sofort ist Obelix Hals über Kopf verliebt und damit beginnt auch das eigentliche Problem. Während er Falbala den Hof macht erreicht diese jedoch ein Schreiben, in dem ihr Verlobter Tragicomix mitteilt, von den Römern als Legionär zwangseingezogen worden zu sein. Also machen sich Asterix und Obelix auf den Weg Tragicomix zu finden und zu Falbala nach Hause zu bringen. Doch dafür müssen sie Legionäre werden. Nur haben die Beiden gänzlich andere Sitten, als es das römische Militär vorsieht und so kommt es regelmäßig zu Problemen mit den Vorgesetzten und Ausbildern …

Der arme, verliebte Obelix. Und die noch ärmeren Bäume!

Die Liebe als Ausgangssituation für ein spannendes Abenteuer. Goscinny findet aber auch immer wieder einen Grund, um seine Gallier durch die ganze Welt zu schicken. Interessant ist aber auch, dass sich in diesem Band bereits der Ruf der „unbeugsamen“ Gallier schon so weit herumgesprochen hat, dass römische Patrouillen die den Wald um das Dorf observieren, keinen Wert darauf legen, auf eben jene zu treffen. Und auch die Piraten versuchen tunlichst, den beiden Galliern aus dem Weg zu gehen. Einen weiteren Punkt den Goscinny hier aufgreift ist der römische Amtsschimmel. Nachdem Asterix und Obelix in Condate angekommen sind, um Tragicomix ausfindig zu machen, müssen sie sich durch die komplette Kommandatur quälen, nur um am Ende dort anzukommen, wo sie angefangen haben. Bereits damals hat jeder die Zuständigkeit für eine Aufgabe, auf andere Personen abgewälzt. Dies zeigt, dass Asterix in vielen Punkten auch heute noch aktuell ist. Außerdem schlägt der Autor mit der Auswahl an Mitstreitern in der 1. Legion, 3. Kohorte, 2. Manipel, 1. Zenturie, der auch Asterix angehört, einen Bogen zu vorangegangenen Abenteuern. Denn neben den beiden Gallerin finden sich dort ein Ägypter, ein Engländer und ein Gote. Aber auch kleine Ausblicke auf zukünftige Abenteuer gibt es mit einem Griechen und einem Belgier. Asterix ist und bleibt Mulitkulturell.

Bürokratie im alten Rom. Manche Dinge ändern sich eben nie.

Neben dem ganzen Wortwitz und den vielen Anleihen steuert auch Uderzo seinen typischen Humor in fast jedem Panel bei. Obelix entwurzelt in seinem Liebeswahn wiederholt Bäume, inklusive Troubadix‘ Baumhaus, was Idefix seit dem letzten Band nicht so gut verkraftet. Sowieso spielen in diesem Band Mimik und Gestik eine ganz große Rolle in diesem Abenteuer. Erst recht dann, wenn es um den verliebten Obelix geht. Hier fährt Uderzo fast sein gesamtes Arsenal an zeichnerischem Können auf. Wenn man es ganz genau nimmt, dann könnte man den Band auch gut ohne den Text verstehen, da sowohl die Körpersprache als auch die Gesichtsbewegungen von Uderzo so feinfühlig dargestellt werden, dass eine Fehlinterpretation kaum möglich ist.

Die römische Armee und das Essen. Eine fast endlos Geschichte, bis sich Asterix und Obelix darum kümmern.

FAZIT:

Asterix als Legionär ist nicht umsonst eines der beliebtesten Abenteuer und hat es auch in Teilen zur Verfilmung (in „Asterix – Sieg über Cäsar“) gebracht. Man spürt auf jeder Seite eine unglaubliche Energie und eine immense Dichte und Spannung. Zusammen mit dem typischen Goscinny/Uderzo-Humor ergibt sich ein fast perfektes Abenteuer, welches auch nach wiederholtem Lesen nichts an seiner Faszination einbüßt.

Tenniplatzis hat wirklich immer den passenden Spruch parat.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1966-2014 Les Edition Albert/René Goscinny/Uderzo / Egmont Ehapa

Die bisherigen Review-Specials:

  1. Asterix der Gallier
  2. Die goldene Sichel
  3. Asterix und die Goten
  4. Asterix als Gladiator
  5. Tour de France
  6. Asterix und Kleopatra
  7. Der Kampf der Häuptlinge
  8. Asterix bei den Briten
  9. Asterix und die Normannen
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