Asterix Review Special (3): Asterix und die Goten

Asterix und die Goten nimmt in den deutschen Veröffentlichungen eine Sonderstellung ein. Dies liegt aber nicht etwa an einer überragenden Geschichte, sondern hat andere Gründe.
Der Erste ist, dass mit diesem Abenteuer die Einführungstrilogie von René Goscinny und Albert Uderzo abgeschlossen ist. Mit dieser Geschichte ist die grobe Charakterisierung und die Vorstellung der Hauptfiguren abgeschlossen. Die wesentlichen Szenarien sind etabliert und ein Handlungsgerüst wurde nebenbei auch geschaffen. So ist, bis auf wenige Ausnahmen, die grobe Handlung jedes Abenteuers gleich. Alles beginnt innerhalb der Friedlichkeit des Dorfes und führt die beiden Hauptfiguren Asterix und Obelix in Abenteuer um die ganze Welt. Somit bilden die ersten drei Abenteuer eine eng zusammenhängende Geschichte, auch wenn sie trotzdem für sich stehend lesbar und verständlich sind.

Der zweite Grund ist, dass dieser Band durch die anfänglich wirre Veröffentlichungspolitik von Ehapa eben nicht als dritter Band der Serie veröffentlicht wurde, sondern als Siebter. Dadurch wurde die Trilogie auseinandergerissen. Bis heute wurde die Reihenfolge innerhalb der reinen Asterix-Albenserie nicht behoben, was vor allem damit begründet wurde, dass Sammler ihre Alben auch aus unterschiedlichen Auflagen zusammenstellen würden, und mit einer geänderten Nummerierung gäbe es nur mehr Verwirrung und weniger Nutzen. Einzig in der Gesamtausgabe (auch in der Fassung von Weltbild) wurde die korrekte Reihenfolge beachtet.

Der dritte und letzte Grund ist die Veröffentlichungsweise dieses Abenteuers in Erstveröffentlichung für den deutschen Markt. Denn noch bevor sich der Ehapa Verlag die Rechte für Asterix und Obelix in Deutschland sichern konnte, war es der Kauka Verlag, der Siggi und Babarras für insgesamt vier Geschichten ab 1965 in dem Jugendmagazin Lupo Modern auf die Leserschaft losließ. In „Siggi der Unverwüstliche“, „Siggi und die goldene Sichel“, „Siggi und die Ostgoten“ und „Kampf um Rom“ verstümmelte der Kauka Verlag so ziemlich alles. Aber wieso Siggi? Der Verlag begann die Serie nicht nur zu veröffentlichen, sondern sie auch einzudeutschen und umzuformen. Die Gallier wurden zu Westgoten und „Kapitalistenstrolchen“ gemacht und die eigentlichen Goten wurden zu Ostgoten. Und statt der Frakturschrift wurde alles, was diese sagten, in roter Schrift gedruckt. Es kam aber noch schlimmer. Nicht nur, dass die gesamten Geschichten vollkommen umgekrempelt wurden und zu einer Farce verkamen, auch die Zeichnungen von Uderzo wurden, wenn auch nur geringfügiger als die Texte, retuschiert. Daher entzogen Goscinny und Uderzo nach den vier oben genannten Abenteuern, die auf „Asterix der Gallier“, Asterix und die goldene Sichel“, „Asterix und die Goten“ und „Asterix als Gladiator“ basierten, dem Kauka Verlag die Nachdruckrechte.

Danach dauerte es immer noch fast 2 Jahre, bis Ende 1967 der Ehapa Verlag das erste Abenteuer im Original nur mit deutscher Übersetzung in MV Comix debütieren ließ. Somit war dem Gallierduo der Weg zum Erfolg geebnet, und auch die geistigen Väter der beiden konnten sich fortan wieder auf neue Abenteuer konzentrieren, ohne sich Sorgen um die deutschen Publikationen machen zu müssen.

Asterix und die Goten
[Egmont, 1970]

Morgendliche Stille im Dorf, und Troubadix kehrt aus.

Kaum das die Feierlichkeiten zur Beschaffung der Goldenen Sichel durch Asterix und Obelix abgeklungen sind, müssen die beiden auch schon wieder los. Denn noch immer steht das Druidentreffen im Karnutenwald kurz bevor. Doch so ganz alleine will Asterix den Druiden Miraculix nicht gehen lassen, und so begleiten die beiden tapferen Gallier ihren Freund. Und die Sorge scheint berechtigt. Ein paar Goten haben sich in der Nähe des Waldes auf die Lauer gelegt, um den erfolgreichsten Druiden zu kidnappen, damit sie dank seiner Hilfe die Gallier und die Römer bezwingen können.
Wie fast schon nicht anders zu erwarten war, gewinnt Miraculix den Wettbewerb, dank seines Zaubertrankes, der übermenschliche Kräfte verleiht, und gerät somit in das Visier und die Fänge der Goten. Nun müssen sich Asterix und Obelix auf den Weg machen um ihren Freund zu retten. Dafür müssen sie nicht nur Grenzen überschreiten, sondern auch ihr Auftreten ein paar Mal anpassen, um ungehindert vorwärtszukommen. Aber reicht das, um den Druiden zu finden und zu befreien …?

Der strahlende Sieger Miraculix…
…und die Goten!

Mit Asterix und die Goten setzen Goscinny und Uderzo die Geschichte aus „Die goldene Sichel“ direkt fort und schaffen so eine direkte, fortlaufende und aufeinander aufbauende Geschichte. Und sie vertieft die Figuren weiter. So wird hier Asterix‘ Beschützerinstinkt erstmals hervorgehoben und Obelix‘ manchmal etwas naiv/kindische Art etabliert. Mit dem Goten hat sich Goscinny auch nicht ganz ohne Hintergedanken eine Gruppe ausgesucht, die ganz bewusst preußische Züge und Verhaltensmuster aufweisen. Immerhin spiegelt Asterix auch immer sehr stark das politische Weltbild der damaligen Zeit, Anfang der 60er Jahre, wieder. Denn nicht nur die Vergangenheit, der Zweite Weltkrieg und dessen Folgen, sondern auch der Deutsch-Französische Krieg, sowie der Erste Weltkrieg bilden hier das Fundament für die Dramatisierung der Figuren und Völker. Auch der Mauerbau und die gespannten Verhältnisse zwischen DDR und BRD werden durch die humorvolle Aufarbeitung als „Asterixinische Kriege“ thematisiert.
Dennoch wird aus der offensichtlichen, politischen Darstellung ein unterhaltsames und leichtfüßiges Abenteuer, welches auch mit Spannung nicht geizt. Dies erzeugt Goscinny dadurch, dass er einigen Figuren Fähigkeiten zuspricht, die bisher unbekannt waren, für die Handlung aber dennoch relevant sind.

Manchmal muss man auch in dir Rolle seines Feines schlüpfen.

Wie bei jeder langlebigen Serie, so beginnen auch hier die Figuren langsam zu dem Erscheinungsbild zu reifen, mit dem sie letztendlich weltbekannt wurden. Uderzos Strich wirkt sicherer und einheitlicher. Und er unterstreicht mit seiner Charakterisierung der Goten das Bild, welches Goscinny gedanklich vorgezeichnet hatte. Pickelhauben, Stechschritt, korrekt agierend und immer logisch denkend und planend, sind die Goten fast schon wie ein Zerrspiegel. Dass dann für die Aussagen der Goten auch noch die gute, alte Frakturschrift genutzt wird, unterstreicht das Gesamtbild, welches Goscinny und Uderzo von dieser Bevölkerungsgruppe wortwörtlich gezeichnet haben. Und eine weitere Gruppe wurde hier mit ihrem Aussehen stärker klassifiziert. Dachte man noch zu Beginn der Reihe, dass Miraculix mit seinem Outfit nur einfach ein weiterer Dorfbewohner wäre, wird hier nun deutlich, dass sein Gewand das des Druidenzirkels ist. Denn im Karnutenwald sind alle Druiden gleich.

Auch damals war das schon so eine Sache mit den Schimpfwörtern.

FAZIT:

Gemessen an seinen Vorgängern ist dieser Band deutlich schwächer. Dies liegt vor allem in dem starken politischen Hintergrund und der vergleichsweise dünnen Handlung. Dennoch kann der Band mit ein paar sehr witzigen Szenen punkten. Auch das hier wesentlich deutlichere Spiel mit Asterix` Helmflügeln als Ausdruck seiner Emotionen bringt den Band wieder etwas nach vorne. Dennoch bleibt ein leicht fader Beigeschmack, der nur mit einer gewissen Nostalgie versüßt werden kann. Abseits davon, und für alle, welche dieses Abenteuer zum ersten Mal lesen, wird unter dem Strich, schlussendlich nicht sehr viel übrig bleiben, außer einem kurzweiligen Asterix-Abenteuer.

Obelix und die Türen.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1961-2013 Dargaud / Les Editions Albert-René, Goscinny-Uderzo / Egmont

Die bisherigen Review-Specials:

  1. Asterix der Gallier
  2. Die goldene Sichel
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