Swamp Thing Nr. 1: Die Auferstehung der Toten [Panini, Oktober 2012]

Auch heute gibt es wieder aus der DC-Ecke. Diesmal ist es das Sumpfmonster Swamp Thing …

Swamp Thing Nr. 1: Die Auferstehung der Toten

In Metropolis fallen die Tauben tot vom Dach, in Batmans Höhle sterben massenweise Fledermäuse und auch im Ozean lösen sich sämtliche Fische grundlos vor den Augen von Aquaman auf. Clark erkennt in Metropolis sofort, dass dies ein Zeichen sein muss, und da es nur einen Menschen gibt, der durch seine Verbindung zur Natur eine Antwort auf dieses seltsame Phänomen haben kann. Dieser jemand ist Alec Holland, der bis vor Kurzem noch als tot galt und als Swamp Thing für die Flora, das Grün, gekämpft hat. Doch Swamp Thing ist Geschichte und Alec Holland zurück, lediglich mit den vagen Erinnerungen an diese turbulente Zeit. Aber Alec hat keine Zeit sich lange darüber Gedanken zu machen, denn kurz nachdem Superman ihn besucht hat, ereignen sich weitere mysteriöse Zwischenfälle. Menschen sterben auf groteske Weise und sind dennoch nicht wirklich tot, sondern wandeln zombiegleich, mit verdrehten Köpfen, weiter, um die Fäule zu verbreiten. Und Alec trifft auf eine alte Bekannte, Abigail Arcane, die aber sein Untergang sein wird, wenn er denn dem Rat der Bäume glauben kann. Nur das dies nicht sein einziges Problem ist. Der Rat der Bäume will, dass Alec erneut zum Streiter für das Grün, Swamp Thing, wird…

Merkwürdige Zwischenfälle in der ganzen Welt ...

Merkwürdige Zwischenfälle in der ganzen Welt …

Swamp Thing wurde unter Autor Alan Moore, Zeichner Stephen Bissette und Inker John Totleben zu einem überwältigenden Erfolg. Seine Dekonstruktion eines, eigentlich als Helden erschaffenen Charakters war wegweisend für spätere Autoren. Er schuf aus einer anfänglich relativ eindimensionalen Horrorfigur ein vielschichtigen und komplexen Charakter. Das schaffte Moore, indem er Swamp Thing zuerst sterben, und danach durch die Einflüsse und Emotionen seiner Umwelt und der Gesellschaft, neu auferstehen, ließ. Und diesem Erfolg zollen auch Scott Snyder und Yanick Paquette Respekt. Im ganzen Band finden sich Anspielungen nicht nur auf die Zeit von Swamp Thing unter Moore, sondern auch auf die Schöpfer des Sumpfdinges, Bernie Wrightson und Len Wein. Außerdem liefert Snyder eine dichte und atmosphärische Geschichte, die sich an Dramatik und Aufbau nicht hinter Moores Interpretation verstecken muss. Doch eines fällt sofort auf. Die Parallelen zu Moore sind unverkennbar. Wie schon zu Beginn von Moores Run wird Swamp Thing nicht einfach so als Held präsentiert, der das Gute verkörpert. Auch hier muss er erst eine Wandlung durchmachen, um zu dem zu werden, was ihm bestimmt ist. Ein Verfechter des Grün. Dass diese sich dann auch durch fast den ganzen Band zieht, und die Hauptfigur, Swamp Thing, somit zuerst am Ende des Bandes auftritt, fällt nicht negativ auf. Denn in diesem Fall ist der Weg das Ziel, und den Weg begehen Snyder und Paquette gekonnt und ohne Längen.

Alec und Abigail. Gegensätze ziehen sich an.

Alec und Abigail. Gegensätze ziehen sich an.

Auch grafisch kann der Band mit dem Run von Moore, Bissette und Totleben mithalten. In sich verwobene Panels auf Doppelseiten, die stellenweise psychedelisch und dennoch anmutig wirken, unterstützen den außergewöhnlichen Seitenaufbau zusätzlich. Teilweise wirken die Bilder in Form, Farbe und Aufbau wie das Resultat eines Drogentrips. Auffällig ist ebenfalls das es trotz drei verschiedener Zeichner in diesem Band mit 7 US-Ausgaben, zu keinem Stilbruch kommt. Die beiden Gastzeichner Victor Ibáñez und Marco Rudy passen ihren Stil so gut an den von Yanik Paquette an, dass der Zeichnerwechsel kaum auffällt. Kleinere Details lassen zwar schon die verschiedenen Künstler erkennen, aber das große Gesamtbild ist in sich stimmig. Auch die Koloration von Nathan Fairbairn, Lee Loughridge, Val Staples und David Baron werten die Bilder zusätzlich auf. Die Farben sind bis auf wenige Ausnahmen eher dezent gehalten und unterstreichen die insgesamt sehr düstere und ein wenig verzweifelte Stimmung ideal.

Das Leben und der Tod, dicht beeinander.

Das Leben und der Tod, dicht beeinander.

FAZIT:

Wenn man Moores Run an Swamp Thing gelesen hat, fühlt man sich sofort heimisch. Besonders gefallen mir persönlich die vielen kleinen Anspielungen auf die Künstler, welche an Swamp Thing einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Immer wieder streuen Snyder und Paquette solche Insider-Gags ein und liefern damit einen netten Mehrwert für die Fans des grünen Sumpfmonsters ab.
Aber auch inhaltlich ist der Band auf ganzer Linie gelungen. Snyder schafft es von Beginn an Spannung aufzubauen, und das ohne auch nur einen Auftritt des Titelhelden. Dennoch hat man als Leser niemals das Gefühl, dass etwas fehlen würde. Auch die Tatsache dass mit Animal Man, die Titelhelden von zwei der besten Serien, welche der Relaunch hervorbrachte, aufeinandertreffen ist positiv zu erwähnen. Dadurch wird eine Zusammengehörigkeit geschaffen, die ein glaubhaftes Universum erzeugt.

Nur drei der Beispiele, wie man die Schöpfer ehren kann.

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„Swamp Thing Nr. 1: Die Auferstehung der Toten“ bei Panini Comics bestellen.
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Hive-VerweisCopyright aller verwendeten Bilder © 2011/2012 DC Comics / Panini

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11 Kommentare zu “Swamp Thing Nr. 1: Die Auferstehung der Toten [Panini, Oktober 2012]

  1. Ja, der war sehr nett. Das Artwork hält dem Vergleich mit den Vorgängern leider nicht stand. Auch wenn sehr deutlich versucht wird, die Spielereien von Moores Zeichnern zu kopieren. Und der Farbbrei ist grausam.

    • Das ist auch ein Punkt der mich massiv stört. Viele Zeichner überlassen die Details in den Bildern inzwischen den Koloristen. Und die matschen mit ihrem Computer herum, und dann glänzt, glitzert und leuchtet alles.
      Was das angeht bin ich auch eher ein Freund des traditionellen Handwerks. Obwohl es Künstler gibt, die auch mit dem Computer gut umgehen können. Aber die kann man an einer Hand abzählen. Effekte sind eben inzwischen wichtiger als ein gutes Gesamtbild.

    • Wenn düster koloriert wird (und das gibt es ja häufig) ist es mittlerweile gerne zu dunkel. Offensichtlich bekommen viele Koloristen die Unterschiede zwischen Computerscreen und Druck auf Papier nicht gewuppt. Was auf dem Screen, oder auch auf dem Tablett digital sicher noch ganz gut aussieht, versumpft im Druck. Wenn dann noch mäßiges Papier hinzukommt…

  2. Mueli: Keine Ahnung. Ich halte das nicht unbedingt für ein generelles Problem. Malibu wurde seinerzeit von Marvel wegen deren Arbeit mit Computerkoloration gekauft. Die hatten damals auch gute Arbeit abgeliefert. Ernsthaft möchte ich das also nicht generell auf Computerkoloration schieben. Ich fand z. B. die Farbgebung in Azzarellos „Wonder Woman“ durchaus gelungen. Gerade für einen aktuellen Comic. Ich vermute einfach mal, dass hier auch ein Rechner verwendet wurde. Ob jetzt der eine Kolorist geschickter ist als der andere oder unterschiedliche Programme genommen wurden kann ich nicht sagen. Damit kenne ich mich überhaupt nicht aus.

  3. Abgesehen von solchen Künstlern wie Sam Kieth oder Ashley Wood, die ja selbst kolorieren und deren Zeichnungen eher wie Gemälde angelegt sind, sind eigentlich alle US Hefte mit dem Computer koloriert.
    Eigentlich benutzen auch alle Photoshop. Das einige besser sind, oder zumindest einen anderen Stil haben, als andere ist halt so. Wie bei Zeichnern, Inkern oder auch Letterern auch.

  4. Wood ist nur bedingt mein Fall, Kieth ein Ausnahmekünstler. Mit Alex Ross, der wohl auch per Hand kolorieren dürfte, kann ich gar nichts anfangen … Beim Computerzeug gibt es bei mir aber eine sehr klare Tendenz. Ist leider so.

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